[EHSP 004] Ausrede Hochsensibilität

Ausrede Hochsensibilität?

Wir Menschen neigen dazu, uns auch durch Unterschiede zu anderen zu definieren.

Fans eines Bogensportlers tragen zum Beispiel „Fan-Kleidung“, denn damit sagen Sie nicht nur, wen sie gut finden, sondern grenzen sich auch zu allen anderen Fans ab.

Markenkleidung nutzt den selben Effekt.

Und manche benutzen auch „Hochsensibiltät“ als label.

Was man vielleicht statt dessen machen kann, hörst du in der heutigen Episode von „einfach hochsensibel“, dem Podcast mit den Tipps, Tricks und Strategien für den Umgang mit deiner Hochsensibilität.

 

 

Deine Meinung zu: Ausrede Hochsensibilität ?

Wie siehst du das? Wo ist die Grenze also wann sollte man das Thema Hochsensibilität auf den Tisch bringen und wann nicht?

Schreibe mir deine Meinung unten in die Kommentare.

 

Show notes

 

Abschrift der Folge: Ausrede Hochsensibilität

[0:10] Ja Grias di, Jean vom Bogenblog und herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Podcast „einfach hochsensibel“.

[0:20] Ich bin heute ein wenig aufgeregt bei der Folge, denn heute möchte ich dir einen Impuls geben, der vielleicht etwas kontrovers ist.

[0:32] Dieses ganze Thema Hochsensibilität ist für mich eh kontrovers und heute möchte ich was ansprechen, ja, was man so oder so gesehen kann. Ich möchte dir einfach, sozusagen, meine Meinung dazu oder meine Gedanken dazu mit Dir teilen und bin schon gespannt was du dazu denkst. Es geht um die Frage oder um den Punkt Hochsensibilität auch als Ausrede zu benutzen.
Wie komme ich darauf? Wenn man sich heute mit dem Thema Hochsensibilität beschäftigt, dann findet man zu 90% Frauen, die dazu einfach etwas sagen oder so.
Bei Facebook, in den Facebook Gruppen, wer tauscht sich dazu aus? Wenn man die Autoren der Fachbücher sich anschaut oder die meisten Coaches im Bereich Hochsensibilität, dann sind das 90% Frauen. Warum ist das so? 
Ich glaube dass das Thema „fühlen“ und vor allen Dingen über seine Gefühle zu sprechen, einfach ein eher weibliches Attribut ist, das auch eher in ein weibliches Rollenverständnis vielleicht reinpasst.
Zum Glück verändern sich die Rollen-Verständnisse sowieso, also es befindet sich alles im Wandel. „Was ist ein Mann“, „was ist eine Frau“, „was ist typisch weiblich“, „was macht man als Mann“, „was macht man als Frau“, all diese Dinge befinden sich im Wandel und sind bei weitem ja nicht mehr so starr, wie das vielleicht früher mal war.

[2:05] Doch tief drinnen glaube ich, ist das Thema „Gefühle“ und über Gefühle sprechen, immer noch etwas sehr weibliches.

[2:16] Der tun sich die meisten Männer ganz besonders schwer mit dem Thema „Hochsensibilität“.
Wenn Männer über Hochsensibilität sprechen, dann ist das oft sehr gefühlsbetont, habe ich das Gefühl. Also sehr in den Bereich. ja, über Kunst, sehr ausführlich, sehr gefühlsorientiert. Ich glaube aber auch dass es eine typisch männliche Eigenschaft ist, ein typisch männliches Attribut, strukturiert denken zu können. Und ich glaube, wir sollten als Männer unsere männliche Seite leben, unsere männlichen Stärken, und als Frauen die weiblichen Stärken und trotzdem auch die anderen Aspekte. Also man kann als Mann strukturiert denken, sich männlich fühlen, männliche Dinge tun und trotzdem Gefühle haben. Das muss ich nicht ausschließen.
Und ich glaube, es ist einfach keine gute Idee „Hochsensibilität“ als Ausrede zu benutzen, um die eine oder andere Seite stärker zu betonen.

[3:32] Auch sind wir ja als hochsensible Menschen eine Minderheit, wie ich schon ein paar Mal erzählt habe. Das heißt, also man sagt ja 20% aller Menschen sind hochsensibel. Das heißt, 80% sind es nicht.
Und selbst wenn wir uns ein Schild um Hals hängen, wo drauf steht „ich bin hochsensibel“, werden 80% der Menschen drauf keine Rücksicht nehmen.
Es bringt also auch nichts, dieses Schild hochzuhalten. 
Meiner Meinung nach, ich glaube das die Lösung darin besteht, Eigenverantwortung zu übernehmen.
Und hier glaube ich, haben wir als Männer eine ganz große Stärke, dass wir nämlich nach diesem Motto vorgehen können „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Ich weiß nicht, ob du diesen alten Spruch noch kennst.
Das heißt, wenn wir schon wissen um das Thema „Hochsensibilität“, dann können wir in Eigenverantwortung eben auch Lösungen dafür entwickeln, wie wir damit umgehen können.

[4:30] Dieses Wissen um die Hochsensibilität gibt uns also eine Verantwortung und zwar in erster Linie eine Eigenverantwortung.

[4:40] Oftmals ist bei dem Thema Hochsensibilität als Ausrede auch die Frage nach der Offenheit. Wie offen gehe ich mit dem Thema Hochsensibilität also um?
Ich mache das sehr offen, weil ich das machen möchte, weil ich mich dafür entschieden habe, um eben diese Informationen die Welt zu tragen. Das würde ja nicht funktionieren, wenn ich das so ein bisschen unter der Hand halte und nur so zwischen den Zeilen durch lasse, ich möchte dich ja auf das Thema „Hochsensibilität“ aufmerksam machen.

[5:16] Aber das ist nicht unbedingt für jeden etwas. Zum Beispiel erreicht mich sehr oft die Frage: „wie mache ich es am Arbeitsplatz?“, soll ich meinem Chef und meinen Kollegen sagen, dass ich hochsensibel bin?

[5:29] Aus meinem jetzigen Verständnis heraus würde ich das nicht tun.
Weil es einfach noch zu wenig Informationen über das Thema „Hochsensibilität“ gibt. Es ist einfach noch kein so verbreitetes Thema bei uns in der Gesellschaft. Das heißt, es stößt sehr leicht auf Missverständnisse.

[5:46] Ich erlebte das sehr oft, dass wenn ich gefragt werde, was ich mache und sage „ja, ich beschäftige mich mit Bogenschießen für hochsensible Menschen“, dass dann die Frage kommt „okay, also für Leute, die irgendwie überempfindlich sind“ und sowas.
Das heißt also da sind noch total viele Missverständnisse, weil es einfach noch nicht so bekannt ist. Und wenn man es jetzt sagt und nicht die Möglichkeit hat im Arbeitsumfeld da ausreichend aufzuklären, dann kann das ganz schnell zu einem Nachteil werden, weil man dann eben dieses Label hat „überempfindlich“, „Mimose“,  „nicht belastbar“. Und das möchtest du sicherlich in deinem Arbeitsumfeld nicht.

[6:24] Hier wieder dasselbe: die Eigenverantwortlung ist die Lösung. Wenn du weißt dass du hochsensibel bist oder glaubst dass du hochsensibel bist, dann weißt du vielleicht wo auch deine Herausforderungen im Arbeitsumfeld liegen und dann schau, dass du da nach Lösungen für diese problematischen Situationen suchst.
Also wenn bestimmte Meetings oder Streitgespräche dich besonders herausfordern in deiner Sensibilität, in deiner Hochsensibilität, dann such dir z.B. einen Coach, mit dem du genau diese Situation durchgehst und nach effektiven Lösungen suchst. Das bringt meiner Meinung nach viel mehr, als eben dem Chef zu sagen „hey, hallo, ich bin hochsensibel, also bitte Rücksicht drauf nehmen“. Das wird nicht passieren!
Auch hilfreich kann es manchmal sein, sich mit anderen Hochsensiblen auszutauschen. Wenn du sagst, du hast da vielleicht jemanden oder in diesen Gruppen oder online gibt’s heute da ganz viele Möglichkeiten. Dabei finde ich es aber wichtig, dass man da auch da lösungsorientiert bleibt.
Denn wenn es dann nur darum geht, irgendwann mal festzustellen, wer ist jetzt mehr hochsensibel als der andere, dann bringt das ehrlich gesagt meiner Meinung nach gar nichts.
Also ich finde es wichtig dass man an so einer Stelle lösungsorientiert bleibt und das geht meiner Meinung nach oftmals besser in einem persönlichen Umfeld.

[8:04] Wenn du für dich erkannt hast, hochsensibel zu sein, dann finde ich auch einen ganz wichtigen Punkt, dass man sich nicht selber irgendwie labeled, dass man sich nicht selber dadurch in eine Schablone pressen lässt.
Also Hochsensibilität kann ja ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, wie ich auch schon in den letzten Folgen so ein bisschen angedeutet habe, durch die eigene Wahrnehmung, durch die eigene Realität, durch die eigenen Erfahrungen, die man gemacht hat.
Also nicht jeder hochsensible Mensch reagiert auf unterschiedliche Lichtsituationen empfindlich, nicht jeder z.b. hat das Bedürfnis, sich sehr, sehr ausführlich zu erklären und zu sprechen – weil hochsensible Menschen ja in der Lage sind meistens sehr vernetzt zu denken, aufgrund der vielen Sinneseindrücke – das heißt, dass ist ja typisch, dass heißt, man muss dann immer jeden Facebook-post mindestens 2000 Zeichen lang machen und so weiter. Glaube ich jetzt persönlich nicht. Ich zum Beispiel mag es lieber, wenn ich versuche, die Dinge auf den Punkt zu bringen und nicht zu viele Worte drumrum zu machen.
Also lass dich nicht in eine Schablone pressen, nur weil du für dich erkannt hast, dass du hochsensibel bist. Es gibt da viele, viele Ausprägungen und schau lieber nach den Punkten wo du sagst: „okay, da brauchst du eine Lösung“, das ist etwas, was dich vielleicht herausfordert oder das sind einfach Besonderheiten, die sich bei dir so ergeben haben und wie kannst du damit in deinem Leben möglichst so umgehen, dass es dir wirklich einfach fällt und das es dir gut geht. Weil am Ende geht’s genau darum: lass es dir gut gehen!

Ich würde mich freuen wenn du in die Shownotes zu dieser Folge, also unter bogenblog.de/004, mal reinschaust und dort in den Kommentaren vielleicht mal postest wie du das siehst.
Wo ist die Grenze zwischen dem, wo man offen sein sollte zum Thema Hochsensibilität, also es offen nach außen kommunizieren und ab wann beginnt es für dich eine Ausrede zu werden.
Da würde mich deine Meinung sehr interessieren und dann hoffe ich dass wir uns in der nächsten Folge von diesem Podcast wieder hören. Lass es dir gut gehen.

2 Gedanken zu „[EHSP 004] Ausrede Hochsensibilität

  • 5.06.2017 um 15:04
    Permalink

    Hallo Jean,

    danke für deinen Podcast. Deine Definition von HS aus der zweiten (?) Folge fand ich sehr erhellend!

    Du hast nach Meinungen zu dem Thema gefragt:
    Ich stimme Dir zu, dass HS nicht als Ausrede benutzt werden soll. Aber was genau bedeutet Ausrede? Etwas nicht zu tun, dass ich tun müsste? Wer bestimmt, was ich tun muss??? Und du sagst, es sei klüger, nicht überall offen von seiner HS zu reden.

    Ich habe für mich als wichtigen Weg erkannt, authentisch zu sein und meine eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Dies bedeutet, dass ich Ruhepausen einfordere, wenn ich sie benötige, auch im Beruf. Und das bedeutet auch, dass ich das Thema – sofern sich ein passender Rahmen ergibt – auch anspreche.
    Im ersten Moment wird man mich wohl für weniger belastbar halten. Aber ganz ehrlich. So what? Was ist in meinem Leben wichtiger?
    Ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass diese Offenheit von Kollegen sehr geschätzt wird. Denn ich erarbeite Dinge, von denen andere profitieren. Andere wären auch gerne so offen, haben aber nicht den Mut dazu. Für mich ist es auch sehr schwer, aber aufgrund meiner Persönlichkeit war ich irgendwann an einem Punkt, an dem ich es schlicht nicht mehr ertragen konnte, wie sehr meine Bedürfnisse von der Rollen abwichen, die ich angeblich spielen musste.

    Und da wären wir wieder bei der wichtigen Vorreiterrolle von HS. 😉
    Ich habe nun zum Beispiel meine Wochenstundenzahl reduziert. Und viele Kollegen denken seither auch über das Thema nach. Warum arbeitet eine junge, gesunde, kinderlose Frau weniger als sie könnte? Vielleicht weil sie es kann? Weil Geld und Rang nicht alles ist?

    Viele Grüße
    Julia

    Antwort
    • 14.06.2017 um 19:11
      Permalink

      Liebe Julia, schön, dass du auf dich und deine Bedürfnisse zu hören scheinst und konsequent deinen Weg gehst. Da kann anderen Mut machen, auch mehr auf sich selbst zu achten.

      Antwort

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