Bogenschießen als Meditation: Entspannung vom Stress

Schon wieder so Schlagworte.

Stress… Meditation… Entspannung…

Heute wird ja aus allem irgendwie so ein Wellness-Ding gemacht.

Früher sind wir Fahrrad gefahren, heute fährt man Mountainbike. Früher sind wir spazieren gegangen, heute nennt es sich walking.

Denkst du auch so? Findest du es übertrieben, wenn man vom Bogenschiessen als Meditation spricht? Stress hat doch heute jeder, oder?

In diesem Artikel erfährst du was Stress überhaupt ist und wie dir meine Art des Bogenschiessens dabei helfen kann, diesen Stress abzubauen, gerade wenn du als hochsensible Person besonders anfällig für Stress bist.

 

Was ist überhaupt Stress?

Stress ist eine Reaktion unseres Gehirns auf bestimmte Reize (Stressoren) in unserer Umwelt oder in uns selbst.

Das körpereigene Hormon Cortisol wird ausgeschüttet und blockiert zusammen mit Noradrenalin im Vorderhirn bestimmte Rezeptoren. Die sind aber für ein rationales Abwägen von Möglichkeiten, also für eine zielgerichtet Entscheidung zuständig. Wir greifen unter Stress also auf im Gehirn abgespeicherte Verhaltensmuster zurück.

Das ist jetzt erstmal weder positiv, noch negativ. Wie wir den Stress interpretieren, ist relevant.

Daher unterscheidet man zwei Arten von Stress:

  • Eustress
  • und Disstress

Eustress ist positiver Stress. Er macht uns fokussierter und leistungsfähiger, ohne uns zu schaden. Eustress tritt zum Beispiel auf, wenn wir uns ganz auf unser Ziel beim Bogenschiessen konzentrieren und das Ziel entschlossen treffen wollen.

Disstress ist negativer Stress, also Reize die wir als bedrohlich, belastend oder überfordernd betrachten. Disstress löst den „fight or flight“-Reflex in uns aus, versetzt unseren Körper also in Alarmbereitschaft um fliehen oder kämpfen zu können. Adrenalin wird ausgeschüttet, der Blutzuckerspiegel erhöht um noch mehr Energie in die Muskeln zu bringen und eben die Entscheidungen im Gehirn auf das wesentliche reduziert.

In grauer Vorzeit sicher mal ein überlebenswichtiger Mechanismus.

Interessanterweise ist ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel ein typisches Anzeichen bei hochsensiblen Menschen. Warum das so ist, kommen wir gleich noch darauf.

 

Was löst Stress aus ?

Es gibt verschieden Aspekte die Stress auslösen. Zum Beispiel physischen Stress für unseren Körper, wenn wir schwer Arbeiten oder Sport betreiben. Oder metabolischen Stress, wenn wir uns energiereich ernähren ohne den entsprechenden körperlichen Ausgleich. Und natürlich psychischen Stress wie Zeitdruck oder zwischenmenschliche Spannungen.

Im wesentlichen gibt es drei Faktoren für unser allgemeines Empfinden einer stressigen Zeit, in der wir leben:

  1. Dauerstress
  2. Eigene Ansprüche an sich selbst, aka. Perfektionismus
  3. Reizüberflutung

Richtig Abschalten ist heute eher uncool. Mal ehrlich, wer auf die Frage „was hast du im Urlaub gemacht?“ mit „nix“ antwortet, wird als Langweiler oder Faullenzer angesehen. Action, rund um die Uhr. Morgens Joggen am Strand, Mittag eine Runde Pilates und Nachmittags ein kleiner Ausritt damit man am Abend noch in die Stadt die Sehenswürdigkeiten anschauen kann. Stille und Ruhe ist für viele Menschen unerträglich geworden, denn dann beginnt ja auch der eigene innere Dialog. Doch der Preis für diese andauernden Ablenkungen von uns selbst, ist eine Überlastung des Systems: Stress.

Die eigenen Ansprüche an uns selbst sind heute oft enorm. Alles muss perfekt sein, doch „perfection kills action“. Durch den Druck, der durch diesen Anspruch im Kopf entsteht, fangen wir viele Dinge gar nicht erst an. Der Selbstwert sinkt, wenn man den eigenen Anspruch nie erreichen kann.

Die Anzahl und Intensität der Reize im Aussen auf unsere Sinneswahrnehmung steigt. Ein Beispiel dafür ist die Anzahl der Schnitte in manchen Fernsehsendungen. Da dauert eine Einstellung gerade mal noch 4 Sekunden.
Oder die Beschallung im Baumarkt mit Video und Audio für den neuesten Super-Duper-Kleber, während man nur ein paar Schrauben sucht.
Aber auch die omnipräsente Verfügbarkeit des Internets trägt dazu bei.

Gerade hochsensible Menschen fühlen sich von vielen Reizen schneller überfordert, da die Filter der eigenen Sinneswahrnehmung geringer ausgeprägt sind.

 

 

Stress und Entscheidungen

Kommen wir nochmal auf den Punkt zurück, dass Stress unsere Datenautobahnen im Gehirn durch das Cortisol blockiert, so dass uns komplexe, zielgerichtet Entscheidungen schwerer fallen.

Es gibt dazu mehrere Studien, zum Beispiel von der Universität Bochum. Dort wurde den Probanden zum Teil zusätzlich Cortisol verabreicht. In dem Experiment wurde mit Orangen oder Schokolade als Belohnung für einen richtigen Klick gearbeitet. Anschliessend konnten die Teilnehmer so viel von ihrer „Belohnung“, also entweder Schokoladenpudding oder Orangensaft, haben wie sie wollten. Dann wurde der Test wiederholt und eigentlich hätten die meisten nun die andere Belohnung wählen müssen, da der Bedarf an Schokolade oder Orangen eigentlich übersättigt ist. Doch die Teilnehmer mit dem zusätzlichen Cortisol taten dass im Gegensatz zu der Kontrollgruppe nicht.

Ein Beweis, dass ein erhöhter Cortisol und Noradrenalin-Spiegel uns eher auf altbewährtes zurückgreifen lässt.

An der Columbia Univeristät in den USA, wurden die Urteile von Richtern über den Tagesverlauf hinweg untersucht. Die besten Chancen auf Kaution rauszukommen, hatte man morgen und nach der Mittagspause, unabhängig von der schwere des Verbrechens und der Person des Angeklagten! Die vielen Informationen und die komplexen Entscheidungen ermüden nämlich das Gehirn, so wie eine Bewegung einen Muskel ermüden lässt. Kann sich unser Körper in einer Pause erholen, sind wir wieder leistungsfähiger.

Wir treffen bis zu 20.000 Entscheidungen pro Tag. Die meisten davon unbewusst. Hochsensible Menschen wahrscheinlich noch mehr, da die Sinnesreize weniger gefiltert werden.

Ein Reiz strömt über unsere Sinne auf uns ein und unser System entscheidet, ob es eine so wichtige Information ist, dass das Bewusstsein damit beschäftigt werden muss, oder ob es eine Routine dafür gibt, wie damit umzugehen ist.

Jetzt hast du gerade eine Zauberformel gelesen.

Eine Routine macht eine Entscheidung überflüssig. Wow!

Darin liegt die Kraft, den Bewegungsablauf beim Bogenschiessen so einzutrainieren, dass er zu einer Routine wird. Dann kann unser Bewusstsein sich auf die Entscheidung für den richtigen Moment zum loslassen konzentrieren. Dann haben wir für diese Entscheidung genug Willenskraft. Dann haben wir unsere Willenskraft nicht schon mit Entscheidungen über die richtige Körperhaltung verbraucht.

Übrigens, keine Entscheidung zu treffen, ist die Entscheidung andere für uns entscheiden zu lassen. Wir können nicht nicht entscheiden.

Entscheidungen kosten Willenskraft. Da steckt ja schon das Wort „Kraft“ mit drin. Unsere Körperkraft hängt von unseren Muskeln ab. Und unsere Muskeln können wir mit Übungen trainieren, damit sie stärker und leistungsfähiger werden.

Und jetzt kommen wir zu der Frage, kann Bogenschiessen entspannend wirken?

Ja, kann es, wenn:

  • du deine Umgebung dafür reizarm gestaltest und am besten in der Natur
  • du auf eine leere Zielscheibe schiesst, denn der innere Erfolgsdruck, ist ein großer Stressfaktor
  • du übst deine innere Stimme zu hören, wann der richtige Moment zum loslassen gekommen ist

Bewegung senkt den Cortisol-Spiegel im Körper, solange es kein Ausdauersport ist. Die erhöhte Herzfrequenz und körperliche Belastung würde nämlich wieder Stress für unseren Körper bedeuten und können die Cortisol-Ausschüttung erhöhen.

Die Farbe grün in der Natur und die frische Luft wirken ebenfalls Stress entgegen. Laut einer Studie an der University of Essex in Colchester haben bereits fünf Minuten in einem grünen Umfeld eine positive Wirkung auf unsere Psyche.

 

Training und Entspannung

Aber Bogenschiessen kann dich nicht nur entspannen. Durch das kontinuierliche Training, den richtigen Moment für die souveräne Entscheidung zum Loslassen zu spüren, trainieren wir unsere Willenskraft.

Wie einen Muskel stimulieren wir unser Gehrin mit jedem Pfeil, bei dem wir die Entscheidung über den Moment treffen, an dem wir ihn fliegen lassen. Das ist Eustress, also positiver Stress, der uns langfristig hilft.

Um diesen mentalen Aspekt überhaupt bewusst trainieren zu können, muss der Bewegungsablauf zu einer Routine geworden sein.

Ich verwende dazu ein Ritual, das die Schritte möglichst schnell und effektiv im Unterbewusstsein verankert. Das funktioniert ausgesprochen gut. Als Trainer bin ich dann gefordert genau auf die Schritte des Schützen zu achten und die richtigen Hilfestellungen zu geben.

Denn am Anfang, wenn wir das erste Mal einen Pfeil und Bogen in der Hand haben, gibt es noch keine neuronalen Verknüpfungen im Gehirn. Mit jeder Wiederholung schaffen wir aber neue Verknüpfungen. So entsteht erst ein Trampelpfad, dann eine Gehweg und schließlich eine Datenautobahn im Gehirn. Und so wie wir auf solchen Wegen unterschiedlich schnell fahren können, können unsere Entscheidungen unterschiedlich schnell fallen.

 

Bogenschießen als Meditation

Meditation heißt wörtlich „nachdenken, nachsinnen, überlegen“.

Durch Achtsamkeits- oder Konzentrationsübungen soll sich der Geist beruhigen und sammeln.

Beruhigen und sich sammeln ist der Gegenpol zur erhöhten Erregung bei Stress.

Das Bogenschießen wie ich es hier beschreibe, gehört somit zu den aktiven Meditationstechniken. Zu diesen Techniken gehört zum Beispiel auch Yoga, verschiedene Kampfkünste und natürlich auch der Zen-Budhismus mit dem Zen-Bogenschiessen.

Im Gegensatz zu Drogen oder anderen bewusstseinserweiternden Techniken, setzt die Meditation eine klare und wache Bewusstheit voraus und fördert diese.

 

Fazit

Je nach dem, wie man das Bogenschiessen betrachtet und betreibt, kann es ein wunderbares Mittel zur Selbsterfahrung und zur Bewältigung von Stress sein.

Gerade hochsensible Menschen brauchen einen aktiven Ausgleich für ihr Nervensystem um mit den Belastungen unser immer Reiz-geladeneren Umwelt umgehen zu können und langfristig gesund zu bleiben.

Hierfür ist die Art von Bogenschiessen, die ich vermittle, optimal geeignet.

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4 Gedanken zu „Bogenschießen als Meditation: Entspannung vom Stress

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