Einteiliger oder teilbarer Bogen: welcher ist der richtige für mich

In dieser Ausgabe der Bogenblog Basics, der Videoserie rund um die Grundbegriffe des traditionellen Bogenschiessens, geht es um die Frage, was nun besser ist: ein einteiliger oder teilbarer Bogen?

 

Vorteile teilbarer Bögen

Teilbare Bögen können auseinander genommen werden, eben in mehrere Teile zerlegt werden.

Daraus ergeben sich folgende Vorteile:

  1. Mehr Schussruhe durch mehr Masse im Mittelteil
  2. Das Kraft des Bogens kann durch einen Wechsel der Wurfarme verändert werden
  3. Man kann die Qualität des Bogens durch hochwertigere Wurfarme steigern
  4. Der Transport ist sehr viel einfacher

Mehr Schussruhe

Ein Teil der Kraft eines Bogens wird im Abschuss nicht auf den Pfeil übertragen, sondern geht in den Bogen. Besonders bei Langbögen kennt man das als „Handschock“, einen Ruck, der durch Mark und Bein gehen kann, je nach Qualität des Bogens. Diesen Ruck kann man durch ein schweres Mittelteil minimieren. Das Gewicht reduziert den Handschock, der Bogen wird also ruhiger und das kann natürlich die Präzision erhöhen.

Zuggewicht anpassen

Bei einem dreiteiligen Bogen kann man durch einfaches Auswechseln der Wurfarm die Kraft des Bogens, also das Zuggewicht noch nachträglich anpassen.

Man kann sowohl stärkere, aber auch schwächere Wurfarme verwenden, je nach dem, wie stark der Bogen sein soll.

Qualtät verbessern

Auch die Qualität des Bogens kann man durch einen Wechsel der Wurfarme deutlich steigern. Denn natürlich sind günstige Einsteiger-Wurfarme nicht so präzise gefertigt und abgestimmt, wie die Wurfarme, die für den Leistungssport konzipiert sind. Qualität und Preis gehen hier tatsächlich eine weite Strecke einher.

Für die Aufnahmen der Wurfarme haben sich einige Standards etabliert. Wenn du mit einem Mittelteil sehr zufrieden bist, zum Beispiel, weil es sehr gut in der Hand liegt, dann achte darauf, dass es eine „ILF-Aufnahme“ hat. Dieser weit verbreitete Standard bei der Wurfarm-Aufnahmen ermöglicht dir eine große Auswahl an Wurfarmen unterschiedlichster Qualität und Hersteller.

Einfacherer Transport

Der vielleicht entscheidendste Vorteil eines teilbaren Bogens ist der leichtere Transport.

Sei es auf dem Fahrrad, dem Motorrad oder in der Bahn, ein dreiteiliger Bogen lässt sich leicht in einem normalen Rucksack verstauen und transportieren.

Auch das Verreisen, zum Beispiel mit dem Flugzeug, ist so sehr viel einfacher möglich. Der geschützte Transport eines 1,70m Langbogen ist bei den meisten Fluggesellschaften teures Sperrgepäck.

Es gibt zwar auch teilbare Langbogen, die im Griff zusammengesteckt werden. Diese sind aber auf Grund des hohen Aufwands, diese Steckverbindung hochwertig herzustellen, meist recht teuer und somit für Einsteiger nicht geeignet.

 

Vorteile einteiliger Bögen

Aber auch einteilige Bögen haben klare Vorteile:

  1. Die ursprüngliche Ästhetik
  2. Weniger Aufwand vor Schiessbeginn
  3. Zuverlässiger durch weniger bewegliche Teile

Ursprüngliche Asthetik

Einteilige Bögen haben ein ursprünglicheres Erscheinungsbild. Sie erinnern uns vielleicht eher an die Ursprünge des Bogenschiessens in grauer Vorzeit der Menschheit.

Viele suchen mit dem traditionellen Bogenschiessen ja auch bewusst einen Gegenpol zu unserer immer komplizierter werdenden Welt. Da ist so etwas „einfaches“, so archaisches wie ein Bogen optimal und dann ist bewusste Reduktion der Komplexität ein klares Ziel.

Kein Zusammenbauen vor dem Schiessen

Einen teilbaren Bogen muss man vor jedem Training oder Parcoursbesuch erst einmal zusammen bauen. Beim Transport wird auch die Sehne entfernt und die steht ja unter Spannung, wie du in meinem Video zur Sehne vielleicht schon gesehen hast.

Also muss auch jedes Mal die Standhöhe mit einem Checker nachgemessen und neu eingestellt werden. Eine korrekte Standhöhe ist essentiell für einen präzise schießenden Bogen.

Mit einem einteiligen Bogen kann man sich den Aufwand sparen, wenn man beim Abspannen darauf achtet, dass die Sehne auf dem Bogen bleibt. Aufspannen und los geht’s.

Zuverlässigkeit

Das ultimative Argument für einen einteiligen Bogen ist aber seine Zuverlässigkeit und zwar in dem Sinne, dass er weniger bewegliche Teile hat. Weniger was kaputt oder verloren gehen kann. Entweder er schiesst oder er ist zerstört. Defekte Wurfarm-Aufnahmen, lose Schrauben usw. gibt es nicht.

 

Fazit

Du hast nun für beide Bogentypen die Vorteile kennen gelernt und kannst nun leichter eine Entscheidung treffen, was für dich der richtige Bogen ist.

Am Ende zählt nämlich auch der eigene Geschmack und ob man sich in einen Bogen verliebt.

Ach so, wenn du bei dem Artikel die Compound-Bögen vermisst hast: die kann man auf Grund der Konstruktion nicht ohne Werkzeug zerlegen, daher kenne ich auch keine Modelle, die dafür gemacht sind, sie zu zerlegen.

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4 Gedanken zu „Einteiliger oder teilbarer Bogen: welcher ist der richtige für mich

  • 14.08.2016 um 22:08
    Permalink

    Hallo J-C,

    ich war immer so auch der Meinung das ein einteiliger Bogen die Energie besser auf den Pfeil überträgt.
    Da der Bogen kompakter ist.
    Ist das der Fall ?

    Gruß Rudi

    Antwort
    • 14.08.2016 um 22:36
      Permalink

      Hi Rudi,

      Vielen Dank für deine Frage. Nein, die Effizienz ist zunächst mal unabhängig von der Bauart. Vergleicht man z.B. einen einteiligen Recurve mit dem selben Bogen, nur dreiteilig gibt es keine grundlegenden Leistungsunterschiede.

      Antwort
  • 15.08.2016 um 11:29
    Permalink

    Hallo J-C,
    wieder ein schönes Video!
    Gut gefallen hat mit Deine Anmerkung:
    „….bessere (teurere) Wurfarme,…wenn man für sich einen Vorteil sieht….“
    Da sehe ich (auch aus Erfahrung) ein Problem das einige Bogensportler haben,
    nämlich „besseres Material“ gleich „bessere Ergebnisse“, wenn das so einfach wäre.
    Meine Erfahrungen zeigen, dass viel zu wenig ins eigene Training auch Trainerstunden etc.
    investiert wird. Ist das nicht ein sehr großer Unterschied zu anderen Sportarten,
    z. B. Tennis, Golf o. ä. Bei diesen Sportatren wird sehr viel mehr Wert auf`s Training gelegt,
    als auf das Material.
    Als ich vor vielen Jahren mit dem Bogensport begonnen habe, sagten mir (wirklich) erfahrene Bogensportler: 5 bis 10 % Material, 90 bis 95 % macht der Schütze am Ergebnis aus. Ich denke, dass ist heute nicht viel anders.
    Klar ist natürlich, dass Material muss stimmig sein und zum Schützen passen, aber das ist erstmal keine Frage des Geldes, sondern der Beratung!
    Das musste ich jetzt mal loswerden. Vielen dank für Deine Infos und Videos, hoffentlich machst Du noch lange weiter. Es gibt noch viel zu tun.
    Viele Grüße aus Erding
    Werner

    Antwort
    • 16.08.2016 um 21:49
      Permalink

      Vielen Dank, Werner. Da kann ich dir zustimmen, erlebe aber zum Glück auch immer mehr Menschen, die meine Unterstützung gerne annehmen. Bei meiner Balanced Mind Methode sollten alle drei Aspekte in Balance zueinander stehen: Material, Konzentration und Bewegung.

      Antwort

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