Gewohnheiten beim Bogenschießen: Freund oder Feind

Hast du schon den perfekten Bewegungsablauf beim Bogenschießen?

Nein?

Wer noch nie Pfeil und Bogen in der Hand hatte, denkt vielleicht, dass es ja nicht so schwer sein kann, an der Sehne zu ziehen und dann den Pfeil los zu lassen.

Doch wer es als Erwachsener schon mal probiert hat, stellt schnell fest, dass der Bewegungsablauf doch komplex ist, wenn man einen idealen Schuss machen möchte oder gar mehrere.

Tatsächlich lernen wir diese Bewegung aber sehr schnell. In meinen Kursen haben die Teilnehmer oft schon nach 3 Stunden recht häufig – auch hier gilt wieder Pareto, die letzen 20% an Präzision verlangen 80% des Aufwands – das Ziel getroffen.

Die Bewegung schleift sich sehr schnell ein und während man am Anfang noch über die Position des Pfeils auf der Sehne nachdenken muss, geht das ganz schnell wie von selbst. Es wird eine Gewohnheit!

Diese Gewohnheiten ersparen es uns also auf der einen Seite über alle Details jedes Mal von vorne nachzudenken, auf der anderen Seite führen sie dazu, dass wir einen ungünstige Bewegung immer und immer wieder machen, obwohl wir es besser wüssten.

Warum das so ist und was du machen kannst, um diese Bewegungen doch raus zu bekommen, zeige ich dir in dem heutigen Artikel.

Wie unser Gehirn Gewohnheiten nutzt

Wozu gibt es überhaupt Gewohnheiten?

Unser Gehirn ist ein gigantischer Supercomputer. Man geht davon aus, dass unser Arbeitsspeicher für rund 7 Minuten ausreicht, besser bekannt als unser Kurzzeitgedächtnis. Was wir nicht langfristig brauchen, wird gelöscht und so Speicherplatz für neue Informationen bereit gestellt.

Tritt eine Information immer und immer wieder auf (z.B. mehr als 21x), wird das Bild und die Emotion dazu im Langzeitgedächtnis gespeichert.
Denn unser Gehirn verbraucht rund 20% der Energie in unserem Körper. Nachdenken ist also im wahrsten Sinne des Wortes anstrengend.
Kann mittels eines Bildes und einer Emotion auf das Langzeitgedächtnis zugegriffen werden, ist das wesentlich energiesparender und schneller. Und hier sind wir immer noch Höhlenmenschen: unser Körper spart Energie wo immer möglich, außer wir entscheiden uns bewusst dafür Energie zu investieren.

Diese abgelegten Bilder und Emotionen sind also Gewohnheiten.

Rituale vs. Gewohnheiten

Schauen wir uns zunächst die beiden Definitionen an:

Gewohnheit

durch häufige und stete Wiederholung selbstverständlich gewordene Handlung, Haltung, Eigenheit; etwas oft nur noch mechanisch oder unbewusst Ausgeführtes

(Quelle: Duden)

Ritual

wiederholtes, immer gleichbleibendes, regelmäßiges Vorgehen nach einer festgelegten Ordnung

(Quelle: Duden)

Als Bogenschütze springen und bei der Definition eines Rituals sicher einige Worte sofort ins Auge:

wiederholtes„: gerade auf Zielschieben, gilt nicht nur der eine Treffer, sondern der wiederholte Schuss in die Mitte als das Ziel

gleichbleibendes„: Konstanz ist die Grundlage für wiederholbare Treffer

festgelegte Ordnung„: der Standard-Schussablauf ist eine festgelegte Ordnung von Bewegungen die aufeinander folgen.

Der größte Unterschied ist aber, dass die Gewohnheit „oft nur noch mechanisch oder unbewusst“ ausgeführt wird.

Viele Turnierschützen können davon berichten, dass sie vor einem Wettkampf bewusst eine Änderung in ihrer Bewegung eintrainiert haben, und kaum schießen sie in einer bestimmten Umgebung oder auf ein bestimmtes Ziel, ist die neue Bewegung wie weggeblasen und die alte Gewohnheit wieder da.

Hier schlagen die Energiesparprogramme voll durch. Denn wir können nichts verlernen. Alles was einmal im Unterbewusstsein abgelegt ist, kann nicht mehr gelöscht, nur noch überschrieben werden. Wir müssen erst mit neuen Verhaltensweisen, Datenautobahnen zwischen den Rezeptoren in unserem Gehirn schaffen, die bequemer für die Neuronen sind, als die alten.

Aus diesen Beispielen ist es auch wichtig, bei der Änderung von Gewohnheiten die Emotionen und abgespeicherten Bilder zu verändern. Ansonsten werden zwar neue Verknüpfungen im Gehirn geschaffen, aber sobald ein bestimmtes Bild oder eine bestimmte Emotion auftritt, doch wieder die alten Muster genommen.

So kann jemand, der zum Beispiel sehr stark auf das Geräusch eines Klickers für den Moment des Lösens geprägt ist, zusätzlich einen anderen Klicker mit einem anderen Geräusch verwenden, um eine Bewegungsänderung schneller und einfacher ins Unterbewusstsein zu bekommen.

Traditionelle Bogenschützen kennen das oft mit dem Bogen selbst. Kaum nehmen Sie einen anderen Bogen geht es oft viiiieeel besser, als mit dem alten. Die Gewohnheiten springen nämlich nicht an, zumindest am Anfang nicht. Meist gibt sich das nach ein paar Wochen, wenn die alten Gewohnheiten auch mit dem neuen Bogen greifen.

Um das dauerhaft zu verändern, schau dir nochmal den Prozess der Veränderung an.

 

Fazit

Als Bogenschützen automatisieren wir unsere Bewegungsabläufe um mentale Kapazitäten für das bewusste oder unbewusste zielen und den Moment des Lösens zu haben.
Wenn diese Routinen optimal sind, können wir einen optimalen Bewegungsablauf maximal oft wiederholen.
Sollten sich aber ungünstige Bewegungen oder Verhaltensweise eingeschliffen haben, bemerken wir die oft nur durch einen Trainer, der bewusst auf jeden Schritt achtet.
Beim Balanced-Mind-Bogenschießen ist der Ablauf stark ritualisiert. Dadurch soll jedem Teilschritt die volle, bewusste Aufmerksamkeit zukommen, bis ein emotionaler Trigger, ein Auslöser für den nächsten Schritt ausgelöst wird. Durch diese Aufmerksamkeit auf den Teilschritt statt auf das Ergebnis sollen sich ungünstige Gewohnheiten kaum festsetzen können.

 

Hast du so eine Gewohnheit bei dir schon mal verändert? Was sind deine Erfahrungen dabei?

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