Hast du alle Sinne beisammen? Sinneswahrnehmung bei Hochsensibilität.

Unsere 5 Sinne als Wahrnehmungsfilter der Realität

Nicht erst seit dem Film Matrix wissen wir: es gibt gar keine absolute Realität. Es gibt nur unsere Wahrnehmung der Realität.

Und die ist bei jedem Menschen anders. Warum ist das so?

Schauen wir uns an, wie wir unsere Realität wahrnehmen. Alles was um uns herum passiert, erfahren wir durch unsere 5 Hauptsinne.

Das Ziel in der Entfernung, dass wir mit dem Pfeil treffen wollen, sehen wir mit unseren Augen. Den Bogen spüren wir in unserer Hand und die Sehne an den Fingern der Zughand. Wir hören den Pfeil fliegen und riechen das Sehnenwachs auf unseren Sehnen. Wir schmecken den salzigen Geschmack des Schweiß nach einem ausgiebigen Training.

Nehmen wir nun einen jungen Bogenschützen mit hervorragenden Augen und einen Bogenschützen, der schon etwas älter ist und nicht mehr ganz so gute Augen hat. Objektiv ist die Zielscheibe für beide in einer bestimmten Entfernung. In der Realität des jungen Schützen ist es ein leichtes Ziel, da er es gut erkennen kann. Für den älteren Bogenschützen ist es ein schweres Ziel, da er es nur verschwommen erkennt. Selbe Situation mit einer völlig unterschiedlicher Wahrnehmung durch anderen Sinneseindruck.

Wenn wir uns das genauer anschauen, kann man die Sinne auch als Filter betrachten. In jedem Moment sehen wir viel, viel mehr, als wir bewusst wahrnehmen. Durch unsere Sinne wird der reine Impuls auf dem Weg zum Gehirn gefiltert. Bewusst nehmen wir nur wahr, was für unser Bewusstsein wichtig erscheint.

Als Beispiel würden wir in dem Moment an der Schiesslinie oder am Pflock auch den vorbeifliegenden Schmetterling, das sich wiegende Gras, die Bewegung der Blätter an den Bäumen und vieles, vieles mehr sehen. Doch da wir unsere Aufmerksamkeit auf das Ziel richten, werden diese Sinneseindrücke ausgefiltert und kommen nicht in unserem Bewusstsein an.

Schauen wir mal, wie wir unsere Sinne beim Bogenschiessen nutzen :

Sehen

Das Sehen ist mit dem Hören der vorrangige Sinn in unserer modernen Gesellschaft. Wir sind rund herum mit visuellen Reizen und Signalen konfrontiert, z.B. die Signalfarben im Display unserer Autos oder die Anzeigen unserer Handys und Computer, aber auch ganz besonders die Werbung.

Auch beim Bogenschiessen benötigen wir das Sehen besonders zum:

  • Ziel erkennen
  • Zielen
  • Flug des Pfeils

Das Zielen als aktive Handlung setzt das Sehen voraus. Auch beim intuitive Bogenschiessen muss man das Ziel zumindest erkennen können. Byron Ferguson soll mal gesagt haben „ich kann jedes Ziel treffen, das ich sehen kann“.

Gerade beim intuitiven Bogenschiessen ist es wichtig, den Pfeilflug visuell im periphären Blickfeld verfolgen zu können. Diese Flugbahn prägt sich das Unterbewusstsein ein und kann dann als Referenz bei zukünftigen Schüssen verwendet werden.
Das ist auch der Trainingseffekt von Leuchtnocken für Pfeile. Die Leuchtspur der Pfeile im Flug brennt sich förmlich ins Unterbewusstsein.

Aber auch für Systemschützen ist die visuelle Kontrolle des Pfeilflug wichtig, um Fehler im Setup oder in der Bewegung aufzuspüren und beheben zu können.

 

Tasten

Den Tastsinn spüren Bogenschützen deutlich beim

  • Griff an der Sehne
  • Bogen in der Bogenhand
  • Ankerpunkte im Gesicht

Die menschliche Hand besitzt 3 Nerven, 33 Muskeln und etwa 17.000 Rezeptoren.

Unser Tastsinn ist also ein hochpräzises Instrument.

So können wir zum Beispiel den Indikator, die kleine Palstiknase an der Nocke leichter ertasten als sehen.

Die Nase enthält auch besonders viele Rezeptoren, die für den Tastsinn verantwortlich sind. Da ist es verständlich, dass gerade die olympischen Bogenschützen auch die Nase als Ankerpunkt verwenden. Selbst kleinste Abweichungen in der Position lassen sich deutlich erspüren.

 

Hören

Der Hörsinn ist für uns Bogenschützen besonders beim Abschussgeräusch des Bogens wichtig. Viele Bogenschützen empfinden den Bogen tatsächlich wie ein Instrument. Es gibt sogar ein Musikinstrument, die afrikanische Maultrommel, das sich wahrscheinlich aus Pfeil und Bogen entwickelt hat und heute noch so aussieht.

Und auch unser Hörsinn kann uns viel über das Setup des Bogens verraten. Ein Anschlagen des Pfeils im Abschuss am Mittelteil oder am Griff kann man hören, wenn zum Beispiel der Spinewert der Pfeile oder die Standhöhe nicht stimmt.

Die Standhöhe, also der Abstand vom tiefsten Punkt im Griff bis zur Sehne, ist vergleichbar mit der Spannung einer Gitarrensaite. Stimmt die Spannung nicht, klingt es eben Sch***.

Auch nach dem Abschuss des Pfeils liefert uns unser Hörsinn wertvolle Informationen. Wir hören den Einschlag des Pfeils in der Scheibe. So wissen wir, wann wir die Körperspannung rausnehmen können, wann der Schuss also zu Ende ist.

Beim 3D-Bogenschiessen kann man hören, ob man das Schaustoffziel getroffen hat oder nicht. Leider haben auch Eisen und Steine ganz eigene Klangfarben.

 

Riechen

Beim riechen denkst du vielleicht nur an das Sehnenwachs auf deiner Sehne.

Ich wohne hier sehr ländlich und wenn ich trainiere, dann rieche ich die Weide neben meiner Schießbahn, den nahen Stall, den Tau auf den Wiesen und vieles mehr.

Das ist für mich ein riesiger Unterschied zu früher, als ich in meinem Geschäft drinnen trainiert habe. Die Gerüche der Natur erweitern jetzt meine Sinneswahrnehmung beim Bogenschiessen und machen es für mich noch vollkommener.

 

Schmecken

Gut, dass schmecken vernachlässigen die meisten Bogenschützen wohl während des Schuss.

Es macht aber mental einen Unterschied, ob man einen guten Geschmack im Mund hat, z.B. von einem Bonbon oder Kaugummi, den man vorher noch gekaut hat. Oder ob man einen schlechten oder bitteren Geschmack schmeckt. Das sind für die meisten Bogenschützen aber unbewusste Nuancen.

Ich nutze meinen Geschmackssinn zum Beispiel für Wildkräuter die ich am Wegesrand finde, wenn ich auf einem Parcours unterwegs bin. 😉

 

Weniger Filter: Sinneswahrnehmung bei Hochsensibilität

Ca. 15 – 20% aller Deutschen haben durchlässigere Filter für Ihre Sinneswahrnehmungen als der Rest der Bevölkerung.

Weniger Filter bedeutet eine größere Bandbreite an Wahrnehmungen. Die Kehrseite ist, dass es bei zu vielen oder zu intensiven Eindrücken schnell zu einer Überlastung kommt.

Diese Veranlagung, nicht Krankheit, hat bereits Ivan Pawlow um die Jahrhundertwende in einem Experiment untersucht. 1997 hat es die US-amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron wissenschaftlich beschrieben und den Namen Hochsensibilität dafür geprägt.

Die Sinneswahrnehmung bei Hochsensibilität ist also höher ausgeprägt, weniger Reize werden vor dem Bewusstsein gefiltert und dass erfordert einen angepassten Lebensstil um in unserer Gesellschaft mit dieser Veranlagung möglichst gut zurecht zu kommen.

Wenn du wissen möchtest, ob du auch Hochsensibel bist, kannst du diesen kurzen Test für eine erste Einschätzung machen.

 

Hochsensibilität und Bogenschiessen

Ich gehöre auch zu der Gruppe der hochsensiblen Menschen und habe für mich das Bogenschiessen als Methode erkannt, um mit den negativen Auswirkungen besser klar zu kommen.

Es hat mein Leben verändert und unglaublich bereichert! Ich bin gerade dabei meine Erfahrungen damit für dich zusammen zu stellen.

Daher wird es hier in Zukunft auch immer mehr Artikel zum Bogenschiessen für Hochsensible geben.

4 Gedanken zu „Hast du alle Sinne beisammen? Sinneswahrnehmung bei Hochsensibilität.

  • Pingback: Entschlossenheit bringt den Pfeil ins Ziel - bogenblog

  • 19.04.2016 um 08:07
    Permalink

    Hallo, Jean,

    Hochsensitivität ist ein spannendes und zugleich sensibles Thema – wer nicht selbst hochsensibel ist (ich schreibe bewußt nicht „betroffen“, wir sind ja nicht krank!), wird die Intensität, in der wir „anderen“ fühlen und reagieren, niemals nachempfinden können. HS zu sein, ist ein Segen – und ein Fluch zugleich. Wer rechtzeitig lernt, mit diesen Empfindungen gut umzugehen, wird sein Leben entspannt und in Balance leben können – sonst wird das leicht ein Ping-Pong-Spiel der Emotionen. In dem man selbst der Ball ist.

    Wird HS, wie es bei ADS passiert ist, zur Modediagnose, werden wir echten HSler es schwerer haben im Leben – nicht jeder, der feinfühlig ist, ist gleich HS. Man möge sich davor hüten, hochsensitive Menschen als Superpersönlichkeiten darzustellen – es ist kein Zuckerschlecken, so zu sein! Ich finde es daher auch nicht empfehlenswert, sich bei jeder Gelegenheit als HS zu outen, denn nicht HSler können sich beim besten Willen nicht einfühlen. Es ist besser zu sagen, dass man mit großer Lautstärke ein Problem hat oder es schätzt, wenn die Kleidung weich und ohne Etiketten ist, dass man gerne ein bißchen mehr körperlichen Abstand hat usw……

    Das Bogenschießen ist für jeden Menschen eine wunderbare Kraftquelle. Als hochsensitiver Mensch profitiert man – wie ich finde – besonders von der Zentrierung auf nur eine Sache. Man lernt, andere Reize zwar wahrzunehmen (unterdrücken läßt sich die Wahrnehmung ja nicht), aber schnell und kraftsparend zu entscheiden, dass sie nicht relevant sind. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Außerdem hilft es, eine achtsame und nicht-bewertende Haltung einzuüben, in der der Moment und die Freude am Tun zählt, nicht nur das Ergebnis. Daraus entsteht Gelassenheit – die Fähigkeit, auf Reize nicht reagieren zu müssen. Das bringt mehr Ruhe ins Leben, als sich permanent vor Reizen abzuschotten.

    Ich wünsche allen, die hochsensitiv sind, in der Natur in Kontakt mit ihrer eigenen Natur zu kommen und sich anzunehmen, wie sie sind: anders. Nich besser oder schlechter als andere. Einfach nur anders. Und was wäre die Welt für ein langweiliger Ort, wenn wir alle gleich wären?

    Antwort
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