Worauf du bei der Wahl deiner Federn achten solltest

Im dritten Teil der Bogenblog Basics Serie rund um die Befiederung gehen wir nun der Frage nach, welche Federn für welche Pfeile ihre Vorteile haben und streifen dabei auch die Frage, warum das Pfeil- und Spitzengewicht die Wahl der Feder beeinflusst.

Bogenblog Basics: Worauf du bei der Wahl deiner Federn achten solltest

 

Plastik oder Naturfedern

Die große Grundsatzfrage bei der Befiederung von Pfeilen: Natur oder Kunststoff.

Hier die wesentlichen Vorteile beider Materialien als Federn.

Vorteile von Kunststoff-Federn (Vanes)

  • günstig herzustellen
  • minimale Produktionstoleranzen
  • unempfindlich bei Regen und Schnee
  • aerodynamisch „konstruierbar“
  • es gibt keine rechten und linken Vanes
  • „veganes“ Produkt

Vorteile von Naturfedern

  • legen sich an und richten sich dann wieder vollständig auf, wenn sie z.B. das Bogenfenster passieren
    • Schiessen über das shelf möglich, keine künstliche Pfeilauflage notwendig
    • Abstimmung des Pfeils auf Bogen einfacher
    • Ausrichtung der Federn („Leitfeder aussen“) nahezu irrelevant
  • vermitteln ein „traditionelles“ Gefühl
  • natürliche Krümmung für mehr Drall
  • schnellere Stabilisierung durch unterschiedliche Oberflächenstrukturen
  • Unempfindlich gegenüber Wärme/Kälte
  • Resistenter gegenüber UV-Strahlung
  • Höhere Pfeilgeschwindigkeit
  • bis zu 700% weniger Gewicht als eine Vane in der selben Größe
  • Entsorgung unkritisch, da Naturmaterial

 

Wie du nun die einzelnen Faktoren für dich gewichtest, hängt natürlich von deinen persönlichen Vorlieben und deinem Einsatzzweck ab.

Klar ist aber: wenn du einen traditionellen Bogen ohne Pfeilauflage verwendest, dann machen Vanes keinen Sinn! Sie legen sich einfach nicht so an, wie Naturfedern und würden daher am Bogensattel (shelf) oder am Handrücken abgelenkt werden und daher den Pfeilflug zu einem reinen Zufallsprodukt machen.

Auch wenn wir meditativ schießen, ist die Rückmeldung des Pfeils wichtig für uns. Und diese würde durch die unvorhersehbare Ablenkung völlig verzerrt werden.

 

Was das Gewicht des Pfeils mit der Wahl der Federn zu tun hat

Aus der Physik wissen wir: wollen wir ein Objekt beschleunigen, müssen wir Energie in Form von Arbeit dafür aufwenden.

Um einen schwereren Pfeil auf die gleiche Geschwindigkeit zu beschleunigen wie einen leichteren, ist mehr Arbeit notwendig, da ein Objekt in Ruhelage auch in Ruhelage bleiben will.

Haben wir das aber geschafft und vergleichen nun einen leichteren und einen schwereren Pfeil die beim Abschuss exakt gleich schnell und identisch befiedert sind, wird der leichtere früher abgebremst, als der schwerere.

Wir wissen ja aus der ersten Folge, dass der Pfeil an Vorwärtsbewegung verliert, wenn die Gegenkräfte Luftwiderstand und Gravitation größer werden als die Beschleunigung.

Auf Grund der identischen Befiederung wirkt auf beide zunächst der gleiche Luftwiderstand. Der ungleichen Arbeit für eine gleichhohe Beschleunigung, steht also die selbe Gegenkraft entgegen. Also wird es länger dauern, bis die Beschleunigung neutralisiert ist und die Gravitation den Pfeil in Richtung Erde beschleunigt.

Oder kurz gesagt: ein schwerer Pfeil hat in der Regel auf die Distanz eine flachere Flugbahn als ein leichterer Pfeil und braucht von daher weniger Stabilisierung.

Wenn man nun den identischen Schaft vergleicht und schwere Spitzen verwendet, erreicht man auch einen insgesamt schweren Pfeil und dazu noch eine Verlagerung des Schwerpunkts in Richtung Pfeilspitze, was sich ja eh vorteilhaft auf den Pfeilflug auswirkt. Das ist der so genannte FOC-Wert, den du im archers‘ multitool für deine Pfeile berechnen kannst.

Hier macht sich dann auch das höhere Gewicht von Kunstoff-Vanes am Ende des Pfeils bemerkbar, da es den FOC wieder negativ beeinflusst.

Aber natürlich kann man nicht beliebig schwere Pfeile schiessen, denn irgendwann ist die Gravitation dann so hoch, dass sie den Vorteil wieder aufhebt.

Auf schwereren Pfeil kann man also größere Federn für mehr Stabilisierung verwenden, da das  Gewicht den Pfeil länger gerade fliegen lässt, als ein gleich schneller aber leichterer Pfeil.

 

Wer welche Größe

Aus dem ersten und zweiten Teil dieser Serie weißt du ja schon, dass größere Federn mehr stabilisieren und kleinere Federn weniger bremsen.

Man kann nun die Größe anhand des Einsatzzweck empfehlen, also z.B. für die Halle und die Jagd größere Federn als für 70m Schüsse auf die Scheibe beim olympischen Bogenschiessen.

Für das meditative Balanced Mind Bogenschiessen verwenden wir kurze Distanzen, möchten aber eine exakte Rückmeldung von dem Pfeil. Daher bietet sich ein schwerer Pfeil eher an, als ein leichter mit der Einschränkung, dass wir Bögen mit geringem Zuggewicht verwenden.

Da große Federn etwas schneller stabilisieren als kleinere, empfehle ich für Einsteiger größere Federn, z.B. 5″.

Wer schon länger dabei ist und eine exaktere Bewegung trainiert hat, kann auch auf etwas kleinere Federn, z.B. 4″, zurück greifen.

In der Halle, also auf 18m würde ich ebenso auf schwere Pfeil mit einer großen Naturbefiederung zurückgreifen. Auch bei Compound Bögen oder Recurve-Bögen mit Visier. Denn in der Halle gibt es weder Seitenwind noch Regen, was am ehesten gegen Naturfedern sprechen würde.

Auf dem Platz beim olympischen Bogenschiessen, zum Beispiel mit einem olympic Recurvebogen auf 70m oder gar 90m, würde ich leichtere Pfeile und kleine, flache Vanes verwenden. Es gibt auch welche, die durch ihre Biegung den Pfeil in Rotation versetzen und ein wenig zusätzlich stabilisieren.

Beim 3D haben wir sowohl kurze als auch weite Schüsse bis 54m. Da es auch mal an einem Baum vorbei oder durch Äste hindurch geht, sind Naturfedern erste Wahl, auch wenn sie sich bei Regen anlegen und empfindlicher bei Seitenwind sind. Hier hat sich die oben erwähnte Empfehlung bewährt: Einsteiger 5″, Fortgeschrittene 4″ und wer eine sehr gute Form hat, kann mit 3″ Federn noch ein paar Meter an flacher Flugbahn auf Kosten der Stabilisierung herauskitzeln.

 

Welche Federform die Beste ist

Die Antwort auf diese Frage hängt auch wieder vom Einsatzzweck und der Erfahrung des Schützen ab.

Lange Federn mit einer geringen Fläche stabilisieren auf weite Distanzen und haben eine geringere Bremswirkung sowie eine geringe Anfälligkeit für Seitenwind.

Wenn du also erst mit dem Bogenschiessen begonnen hast, würde ich dir eine Form mit etwas mehr Fläche empfehlen, wie zum Beispiel die shield Form.

Schießt du 3D, kann die parabol Form mit der geringeren Fläche aber gleichen Höhe, vorteilhaft sein.

Unterschied zwischen den verschiedenen Herstellern

Bitte achte drauf in jedem Fall auf einem Pfeil nur Federn des selben Herstellers zu verwenden.

Denn jeder Hersteller hat geringfügig unterschiedliche Stanzformen und Herstellungsprozesse. Shield ist also nicht gleich shield und parabol nicht gleich parabol.

Je identischer die Federn sind und je exakter sie auf dem Pfeil montiert werden, desto gleichmäßiger ist die Stabilisierungswirkung und desto weniger Leistung geht durch unerwünschte Turbulenzen verloren.

 

Rechte oder linke Federn

Naturfedern stammen entweder vom rechten oder linken Flügel eines Vogels. Je nach dem haben sie eine unterschiedliche Krümmung, versetzen deinen Pfeil also mit oder entgegen dem Uhrzeigersinn in Rotation. Daher sagt man „rechtsgewunden“ (RW) oder „linksgewunden“ (LW).

Es ist ein Mythos, dass Rechtshänder rechte Federn und Linkshänder linke Federn schießen sollten! Bei einem sauber abgestimmten Pfeil ist das völlig egal.

Wichtig ist nur, dass man recht und linke Federn nicht auf einem Pfeil mischen darf. Denn sonst würde die eine Feder den Pfeil ja in die eine Richtung und die andere, in die andere Richtung rotieren wollen. Der Pfeil würde also statt stabilisiert zu werden, noch mehr trudeln und gebremst.

Du erkennst eine rechte Feder, wenn du von hinten auf die Feder schaust und die „Lippe“ links ist. Linksgewundene Federn haben die Lippe dem entsprechend rechts.

Feder rechtsgewunden

 

Fazit

Wenn du alle 3 Teile dieser Bogenblog Basics Serie angesehen und gelesen hast, kennst du nun die wesentlichen Faktoren der Aerodynamik, die für Bogenschützen relevant sind und weißt, wozu Pfeile eine Befiederung haben.

Du hast erfahren, wie sich die unterschiedlichen Größen und Formen auswirken können und kannst abschätzen, in wie weit das für dich relevant ist oder nicht.

Im dritten Teil haben wir auch die Frage geklärt, ob Plastikfedern eine Alternative sein können und mit dem Mythos rechte und linke Federn aufgeräumt.

Du bist also nun bestens gerüstet um deine Pfeile für deinen Einsatzzweck optimal zu befiedern. Viel Spaß dabei!

 

Und wenn du mal nicht weiter weißt

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Weiterführende Links

7 Gedanken zu „Worauf du bei der Wahl deiner Federn achten solltest

  • 6.09.2016 um 10:43
    Permalink

    Wieder schön erklärt, freue mich über jedes neue Video.
    Ein Vorteil -für mich persönlich – haben die Naturfedern in ihrem Aussehen.
    Das ist natürlich sehr subjektiv, aber für mich sehen sie einfach schöner,
    natürlicher aus.

    Also Danke und gern weiter so.
    Gruß aus Erding
    Werner

    Antwort
    • 7.09.2016 um 07:26
      Permalink

      Danke, Werner. Da hast du schon Recht. Auch kann man Naturfedern z.B. durch spleißen noch stärker individualisieren. Manchmal stimmt sogar: „schöne Pfeile fliegen schöner“.

      liebe Grüße
      Jean-Christoph

      Antwort
  • 28.09.2016 um 11:08
    Permalink

    Hallo!
    Ich tendiere eigentlich auf Naturfedern,da ich Langbogen schieße,zum einem,und zum
    anderem wie sieht ein Hozpfeil mit Kunststoff-Federn aus,nicht gut.
    Meine Naturfedern sprühe ich immer mit Haarlack ein,dadurch sind sie unempfindlicher
    bei Feuchtigkeit.
    Gruß Christian

    Antwort
  • 22.02.2018 um 23:13
    Permalink

    Also ich denke, da hat sich ein Fehler eingeschlichen:
    Habe bisher immer die flachere Flugbahn mit leichteren Pfeilen festgestellt.
    Vorausgesetzt, gleiche Pfeillänge, gleiche lbs auf den Fingern).

    Antwort
    • 6.03.2018 um 17:03
      Permalink

      Ich kann mir vorstellen, dass das im ersten Moment paradox wirkt. Vielleicht verwechselst du hier aber auch eine flache Flugbahn mit der maximalen Reichweite?

      Antwort
  • 20.10.2018 um 21:44
    Permalink

    Bei „Wer welche Größe“ ist von 3-5″ die Rede – sind wirklich 7-12cm lange Federn gemeint oder sollten das 3-5cm sein?

    Antwort
    • 21.10.2018 um 12:54
      Permalink

      Hallo Ronny. Zoll ist im Bogensport immer noch die häufigste Einheit, da gerade am Anfang viele Materialen aus den USA importiert wurden und hier die imperialen Einheiten verwendet werden. Umgerechnet sind 3″ also wirklich ca. 7,6cm.

      Antwort

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