Macht Bogenschiessen glücklich?

Wer zu den olympischen Spielen fährt ist ein Sportler. Und als Sportler möchte man doch gewinnen, oder?

Aber ist das olympische Prinzip nicht „dabei sein ist alles„?

In Bhutan, einem kleinen Land in den Bergen zwischen Indien und China, ist Bogenschiessen seit 1971 der offizielle Nationalsport. Und in Bhutan ist kein Fest vollständig ohne einen Bogensport-Wettbewerb. Bogenschiessen ist in Bhutan mehr als ein Sport, es ist ein lebendes Beispiel und eine dynamische Manifestation der einzigartigen Traditionen und Kultur der Menschen in Bhutan, es ist eine Feier der Lebensweise in Bhutan [1].

Dieses Land war inzwischen schon achtmal bei olympischen Sommerspielen mit Bogenschützen vertreten.

Bisher gewonnene Medaillen: 0, Null, nada, nichts.

Ein Land in dem Bogenschiessen seit über 40 Jahren der Nationalsport ist und bisher noch kein Bogenschütze eine olympische Medaille gewonnen hat?

Man sollte meinen, dass die meisten Bogenschützen in Bhutan nicht besonders glücklich sind.

Glücklich sein ohne Erfolg oder Glück als Maßstab für Erfolg

In Bhutan gibt es noch eine weitere Besonderheit.

In der westlichen Welt wird der Erfolg eines Landes meist am Bruttonationaleinkommen festgemacht. Also an dem Wert aller hergestellten Waren und Dienstleistungen, die sich im Besitz der Einwohner dieses Landes befinden.

Doch in Bhutan misst man den Erfolg des Landes am Glück seiner Einwohner, dem Bruttonationalglück. Dieser Maßstab wurde bereits 1976 vom damaligen König in Bhutan eingeführt und auch in der heutigen Demokratie fortgeführt.

Dieses Konzept findet auf der ganzen Welt immer mehr Beachtung, gerade in Zeiten von Wirtschaftskrisen und Globalisierung. Es wird vielfach als Gegenpol zu Materialismus und ungesundem Wachstum gesehen und soll wieder einen Sinn in das Leben der Menschen bringen.

Kann man also ohne messbaren Erfolg glücklich sein?

 

Wie man Glück misst

Das Gefühl glücklich zu sein, ist eine sehr individuelle Empfindung. Tatsächlich scheint es bis heute auch keine einheitliche Messmethode für Glück auf der Welt zu geben, auch in Bhutan nicht.

Das Empfinden von Glück hat sehr oft mit dem erreichen selbst gewählter Ziele zu tun.

Und hier schließt sich der Kreis zum Thema Bogenschiessen wieder.

In einem Interview von 2012 sagte die olympische Bogenschützin Sherab Zam aus Bhutan[2]:

„Ich bin nicht besonders gut im Bogenschiessen, aber ich liebe es.“

Tatsächlich belegte sie auch nur Platz 61 von 64 im Einzelwettbewerb der Damen.

Aber alleine die Möglichkeit nach London zu reisen und an den olympischen Spielen teilnehmen zu können, hat sie glücklich gemacht.

 

 

Die Bedeutung von Zielen für das eigene Glück

Wir können also glücklich sein, wenn wir selbst gewählte Ziele erreichen. Ja sogar der Weg dahin, kann uns schon glücklich stimmen, besonders wenn wir Zwischenziele erreichen und einfach genießen was wir tun.

Dieses Empfinden von Glück sehe ich auch in den Gesichtern von vielen Menschen, die zum ersten Mal Pfeil und Bogen in die Hand nehmen. Das ist wunderschön und ganz besonders.

Um dieses Glück zu erhalten, ist es wichtig, sich dann die richtigen Ziele zu setzen.

Es gibt in der Motivationspsychologie zwei Arten von Motivation:

  1. Schmerz (Leiden, Unglück,…) vermeiden
  2. Ziele (Veränderung, Entwicklung,…) erreichen

Leider ist die Vermeidung von Schmerz oftmals die stärkere Motivation. Der Erhalt unserer körperlichen und geistigen Gesundheit hat eine höhere Priorität im Unterbewusstsein, als die Erreichung von Zielen. Daher wirken negative Erfahrungen bei den meisten Menschen prägender auf ihr Verhalten als das positive Erreichen von Zielen.

Das Glücksgefühl nach dem Erreichen eines Ziels ist nach kurzer Zeit wieder verflogen. Ein negatives Erlebnis prägt häufig auch langfristig die künftigen Entscheidungen.

Wenn man sich diesen Mechanismus vor Augen hält, ist klar, welche Bedeutung die Wahl der geeigneten Ziele auf die eigene, langfristige Motivation hat.

Man hat festgestellt, dass die Wahl der eigenen Ziele von der Präferenz der Motivation abhängt.

Jemand der Schmerzen vermeiden will, wird sich ein Ziel setzen, das sehr niedrig oder utopisch hoch ist. Bei einem sehr niedrigen Ziel stehen die Chancen gut, dass man es erreicht. Bei einem utopisch hohen Ziel, ist der soziale Druck gering. Wenn man es nicht erreicht, wir einem kaum jemand Versagen vorwerfen, da es eh utopisch war.

Ist man dagegen motiviert, vorrangig Ziele zu erreichen, wird man sich Ziele auswählen, die über der eigenen Sicherheits- und Komfortzone liegen aber trotzdem erreichbar sind. Sie beinhalten das Risiko zu scheitern, aber wenn man sie erreicht, hat man sich in der Regel auch selbst deutlich weiter entwickelt. Denn um es zu erreichen, musste man die eigene Komfortzone verlassen.

Wir können uns also durch die geeignete Wahl unserer Zielen auch selbst trainieren, künftig den Fokus mehr auf das Erreichen von Zielen zu legen, als auf die Vermeidung von Schmerzen.

 

Bogenschiessen macht glücklich

Eine optimale Trainingsplanung beim Bogenschiessen kann uns also zu glücklicheren Menschen machen.

Die Ziele, die wir uns beim Bogenschiessen setzen, sollten also hoch, aber erreichbar sein. Dann kommen wir aus unserer Komfortzone. Wir formen unseren Charakter und entwickeln die notwendigen körperlichen Voraussetzungen.

Dabei darf das Verlassen der Komfortzone aber keinesfalls Schmerz oder Leid bedeuten. Als Beispiel sollten wir beim Bogenschiessen immer einen Armschutz und Fingerschutz tragen. Denn der körperliche Schmerz, wenn die Sehne den Unterarm trifft, kann zu einer unterbewussten Schonhaltung führen, um diesen Schmerz künftig zu vermeiden. Diese Haltung hindert uns dann wiederum am Erreichen unserer Ziele, zum Beispiel einer bestimmten Trefferzahl oder eines besonders gelungenen Schuss.

Wir können ja keine Erfahrungen aus unseren Köpfen löschen. Wir können sie nur „überschreiben“, also mit neuen, einprägsameren Erfahrungen ersetzen. Daher müssen solche negativen Erfahrungen dann mit viel Aufwand und vielen Wiederholungen wieder abtrainiert werden. Diesen Aufwand kann man sich sparen, wenn man negative Impulse verweidet.

Auf dem Weg zu einem großen Ziel, sollten wir immer wieder kleinere Zwischenziele einbauen. Auch diese sollten bereits über unserer Komfortzone liegen. Wenn wir sie erreichen, macht uns das glücklich. Dieses Glücksgefühl motiviert uns an dem langfristigen Ziel dran zu bleiben.

Und dann macht uns Bogenschiessen tatsächlich glücklich.

 

Möchtest du mehr über das Bogenschiessen als Methode zur Selbsterfahrung wissen? Dann trage jetzt hier deine Email-Adresse ein:

[optin-cat id=“367″]

 

Quellen:

5 Gedanken zu „Macht Bogenschiessen glücklich?

  • 18.06.2016 um 17:10
    Permalink

    Wunderbarer Artikel.
    Genau, es muss nicht immer um Leistung gehen, beim Bogenschießen zählen (innere) Haltung, Konzentration, Spannung – Entspannung u . v. m., das alles ist schon viel wert. Und wenn man dann auch noch triftt, ist die Welt für einen kleinen Moment perfekt.
    „Der Schuss ist das Ziel“

    Antwort
    • 24.06.2016 um 10:22
      Permalink

      Danke Michael, dass du dein Zielsetzung hier mit uns geteilt hast.

      Antwort
  • 20.06.2016 um 10:37
    Permalink

    Hallo Jean,
    meines Erachtens gibt es einen Unterschied zwischen glücklich sein und Ziele erreichen.
    Wenn jemand ein Ziel erreicht hat er Erfolg, ist er erfolgreich, das kann glücklich machen.
    Wenn ich glücklich bin messe ich das nicht am Erfolg, ich persönlich.
    Bei einem Turnier bin ich glücklich wenn ich sauber schieße, meist sind damit auch Treffer verbunden, aber nicht immer.
    Weiterhin ist Erfolg schnell verblasst, es ist nur eine Moment, wenn ich sogar unter den ersten drei bei einem Turnier bin, diese Freude (Erfolg) wärt nur kurz, es ist eine Momentaufnahme. Das Glücklichen über den Turnioerverlauf mit den Menschen und den sauberen Schüssen wirkt viel länger aktuell und nach und beschreibt meines Erachtens eher ein Glücksgefühl. Erfolg und Glück sind deswegen für mich zwei Paar Schuhe.

    Antwort
    • 24.06.2016 um 10:27
      Permalink

      Hallo Frank,
      wenn ich deinen Kommentar richtig verstehe, hast du dir dann in dem Turnier das Ziel gesetzt, sauber zu schiessen. Wenn du es erreichst, bist du glücklich. Das sind die Zwischenziele die ich in dem Artikel beschreibe. Sie sind wichtig und motivieren uns weiter zu machen. Was als großes Ziel für dich dahinter steht, weiß du nur selbst. Wichtig ist, sich auch mit dem großen Ziel dahinter zu beschäftigen. Was motiviert einen überhaupt zum Bogenschiessen und was will man erreichen? Das können genau so gut innere Ziele sein, wie zum Beispiel Gelassenheit oder Selbstbewusstsein. Ziel erreichen und Leistung im Aussen müssen nicht das selbe sein, erst Recht, wenn man das Bogenschiessen zur Selbsterfahrung nutzt.

      Antwort
  • Pingback: Warum deine Komfortzone über dein Wachstum entscheidet - bogenblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.