Welche Bogensportmesse sich für Bogenschützen lohnt

Kennst du jemanden, der sich mal einen Hund gekauft hat?

Dann kennst du vielleicht auch den Satz „nein, wir wollen nicht gleich kaufen. Wir fahren die Welpen nur mal anschauen…„. Und? In den allermeisten Fällen kam derjenige doch mit einem Hund wieder.

Beim Bogen kaufen ist das so ähnlich. Man will sich erstmal informieren und den ein oder anderen Bogen ausprobieren, doch am Ende des Tages will doch mit einem Bogen nach Hause fahren.

Es gibt zwar immer mehr Online-Shops die Bogensport-Artikel anbieten, doch die Dichte des lokalen Händlernetz ist in Deutschland noch immer sehr gering.

Was kannst du nun also tun, wenn du mit dem Bogensport beginnen möchtest, oder sogar schon begonnen hast und keinen lokalen Händler vor Ort hast, der dich beraten kann?

Vielleicht möchtest du einen Bogen mal in die Hand nehmen, bevor du ihn kaufst.

Dann ist der Besuch einer Bogensportmesse eine mögliche Alternative.

Heute kläre ich für dich die Frage, welche Arten von Messen es gibt und wann sich der Besuch dort lohnt.

Update: Aktualisierter Messekalender 2017: hier alle Daten für die Bogensportmessen in diesem Jahr!

 

Was gibt es für Bogensportmessen?

Es gibt im wesentlichen 3 Arten von Bogensportmessen:

  • Fachmesse
  • Kooperations-Bogensportmesse
  • reine Bogensportmesse

Die Fachmesse für den Bogensport

Die Fachmessen sind, wie der Name schon vermuten lässt, ausschließlich für ein Fachpublikum bestimmt.

Hier erhält man in der Regeln nur als Händler oder sonst wie Gewerbetreibender im Bogensport Zutritt.

Warum? Weil es bei diesen Messen um das verkaufen im B2B-Bereich, also von Hersteller zu Großhändler und Großhändler zu Händler geht.
Man redet in Einkaufspreisen ohne Steuer. Da die Händler von der Spanne, also dem Unterschied von Einkaufspreis zu Verkaufspreis leben und ihre Kosten bestreiten müssen, möchte man natürlich nicht, dass Endkunden zu diesen Preisen auf der Messe einkaufen. Daher sind die Messebetreiber sehr darauf bedacht, dass wirklich nur Einkäufer Zutritt erhalten und betreiben einen ganz schönen Aufwand um den Zugang zu kontrollieren.

Diese Messen sind auch die einzigen, auf denen man wirkliche Neuentwicklungen im Bogensport entdecken kann. Ein Hersteller hat die Idee und den Mut für ein neues Produkt. Dann wird er es auf so einer Fachmesse den Großhändlern und Händlern anbieten als Vertriebsweg in den Markt. So wäre der Lehrbuch-mäßige Produktentwicklungs- und Vermarktungsprozess.

Im Bogensport gibt es aber sehr viele kleine Hersteller, die sich gleichzeitig um den Vertrieb ihrer Produkte selbst kümmern. Nur einige wenige, große Hersteller gehen da einen anderen Weg.
Somit finden sich viele neue Produkte im Bogensport viel früher im Internet, als auf so einer Messe. Böse Zungen behaupten, dass mancher Bogenhersteller die Bogenschützen auch als Beta-Tester benutzt und dann auf Grund der Kommentare in den sozialen Medien und Blogs die Produkte nachbessert.

Es ist also nicht sonderlich verwunderlich, dass auch auf Fachmessen nur wenige neue Produkte im Bogensport zu finden sind. Das meiste sind Weiterentwicklungen oder Modifikationen von bestehenden Produkten. Echte Innovationen sind selten.

Die größte Fachmesse in Deutschland ist die IWA in Nürnberg. Obwohl der Fokus eigentlich auf der Waffenindustrie ist, gibt es eine Messehalle zum Thema Bogensport.

Der Bogensport boomt und viele Waffengeschäfte ergänzen ihr Sortiment durch Artikel aus dem Outdoor- und Bogensportbereich. Diese können Sie eben auf ihrer Fachmesse, der IWA, auch bestellen.

Ich war für dich dieses Jahr dort und habe mal geschaut, was es neues im Bogensport zu entdecken gibt.

Zunächst sind mir die neuen Bogen-Modelle von Ragim aufgefallen. Sie haben nun fast alle eine schön gemachte Zierverleimung bei der Action-Wood, also gefärbtes Sperrholz, verwendet wird. Dieses ist besonders stabil und als Nebenprodukt der Holzindustrie günstig und in gewisser Weise auch nachhaltig, da die Holzreste verwendet werden, die als Festholz nicht verwendet werden können.

Ragim Red Deer Recurve Bogen
Neu: Ragim Red Deer Recurve Bogen
Ragim Red Deer Recurve Bogen Detailaufnahme
Ragim Red Deer Recurve Bogen Detailaufnahme
Ragim Brown Hawk, Impala und Black Hawk Recurve Bogen
Ragim Brown Hawk, Impala und Black Hawk Recurve Bogen

Leider ist Nachhaltigkeit und Umweltschutz in dieser Industrie immer noch kein echtes Thema. Fast kein Aussteller konnte mir sagen, was genau für Hölzer in den Bogen verbaut wurde und bei Herkunftsnachweisen oder Nachhaltigkeitszertifikaten wie zumindest FSC war dann ganz Schluss.

Günstiges Tropenholz ist immer noch das Mittel der Wahl um möglichst günstige Bögen zu produzieren. Der Preis war generell das vorrangige Thema auf der Messe. So konnte ich selbst als Fachhändler die Bögen nicht in der vorhandenen Schießbahn ausprobieren. Dort wurde nur mit einfachen Sportbögen den Waffenhändlern gezeigt, wie einfach Bogenschiessen ist. Ich nehme an, damit sie die Produkte möglichst in ihr Sortiment mit aufnehmen. Und da muss der Preis der Bogen eben auch gering sein, denn ohne Fachberatung kauft kaum jemand einen Bogen im mittleren oder oberen Preissegment.

Die neuen Feder-Farben von Gateway konnte ich dort auch in der Realität sehen. Bisher kannte ich sie nur von Fotos.

Gateway Federn Flammenmuster
Gateway Federn mit Flammenmuster

Ich finde sie sehr außergewöhnlich, und werde sie bei Gelegenheit mal testen.

Am spannendsten fand ich den Prototyp eines bayerisch-inspirierten Holsterköchers aus Nubuk-Leder! 😉

Lederhosen-Köcher Prototyp
Lederhosen-Köcher Prototyp

Hier hat sich ein Hersteller mal getraut von den bisherigen Designs abzuweichen und zu polarisieren. In Serie soll es dann auch noch einen Rückenköcher und Armschutz mit dem passenden Design geben. Ich bin gespannt.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass es keine grundlegenden Inovationen zu sehen gab. Gut, der Bogensport ist 20.000 Jahre alt, da wurde wohl vieles einfach schon erfunden.

 

Kooperations-Bogensportmesse

Ein typischer Vertreter für die Kooperationsmessen sind die Jagd- und Outdoor-Messen, bei denen Bogensport ein Teilbereich ist. Diese Messen darf jeder besuchen und man kann hier sofort vor Ort einkaufen. Viele Jäger nutzen diese Messen um sich mit Material auszustatten, dass der örtliche Fachhändler vielleicht nicht im Programm hat.

Auf der Messe Augsburg ist Bogensport offiziell Teil des Programms, wird dort aber auch von den Initiatoren der Paderbow Bogenmesse betreut.

Auf der „Hohen Jagd“ in Salzburg hat man letztes Jahr versucht, den Bogensport zu integrieren. Ich bin dieses Jahr für euch hingefahren, um zu sehen, ob sich der Besuch solcher Jagdmessen vielleicht auch für Bogensportler lohnt, wenn Pfeil und Bogen nicht explizit als Angebot ausgeschrieben sind.

Machen wir es kurz: nein, in Salzburg ist der Bogensport kein Thema mehr. Es gab einen Ost-Europäischen Aussteller der ein paar günstige Fernost-Bögen und einige Armbrüste ausgestellt hat. Ansonsten habe ich nur einen Kinderbogen gefunden.

Hohe Jagd Salzburg 2016
Kinderspielzeug auf der Messe „Hohe Jagd“ in Salzburg 2016

Messekalender Kooperations-Bogensportmessen 2017/2018

 

Reine Bogensportmesse

Wer als Bogenschütze auf eine Bogensportmesse fahren möchte, sollte sich eine reine Bogensport-Messe aussuchen. Es gibt inzwischen einige Angebote im deutschsprachigen Raum.

Messekalender 2017/2018

 

Ich war 2012 als Aussteller auf der Bogenmesse in Eisenbach im Schwarzwald und habe dort Byron Ferguson, den bekannten Trickbogenschützen getroffen.

Byron Ferguson und J-C vom Bogenblog
Byron Ferguson und J-C vom Bogenblog

Ich bin eigentlich auf die Messe gefahren, um meine ProRi-Schutzringe für Pfeilschäfte vorzustellen, die es heute als Protector-Ringe von einem anderen Hersteller gibt.

Es waren 3 angestrengende Tage, denn es war richtig viel los. Ich war die ganze Zeit mit meinem Team am beraten und verkaufen, so dass kaum Zeit blieb selbst nach Neuigkeiten Ausschau zu halten.

Eine Besonderheit war sicher, dass man fast jeden Bogen vor Ort ausprobieren konnte. Das sehe ich heute auch als den größten Nutzen einer Bogenmesse.

Dabei sollte man sich aber vor Augen halten, dass man den Verkäufer von der Messe bei Problemen nicht so einfach erreichen kann und von ein paar Schuss noch nicht die Qualität und den Service des Herstellers beurteilen kann.

 

Fazit

Als Bogenschütze macht der Besuch einer reinen Bogensport-Messe am meisten Sinn, denn dort ist die Auswahl an Bogensport-Artikeln am größten und man kann auch direkt einkaufen. Das Risiko ist ein unbekannter Händler und der oft fehlende Nachweis des Kaufs bei Garantie und Gewährleistung.
Auf große Innovationen sollte man nicht hoffen, die findet man meist früher im Internet, wobei echte Innovationen im Bogensport eher selten sind.

Wie sind eure Erfahrungen mit Bogensportmessen? Wart ihr schon mal auf einer und habt ihr dort das gefunden, was ihr euch vorgestellt habt?

 

8 Gedanken zu „Welche Bogensportmesse sich für Bogenschützen lohnt

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