Wie wir zu dauerhafter Veränderung kommen

Es reicht!

Manchmal ist es einfach genug. Du hast es einfach satt.

Es ist Zeit für eine Veränderung.

Das kann die unterschiedlichsten Lebensbereiche betreffen. Veränderungen sind die Stufen der Entwicklung. Jede Veränderung braucht also zunächst eine Entscheidung, die Entscheidung für die Veränderung.

Wenn du aber auch schon mal versucht hast, dass ein oder andere in deinem Leben zu verändern, ist es dir vielleicht auch schon mal so gegangen: du reißt voll an und lässt dann schnell wieder nach. Warum ist das so? Warum fällt es schwer, ungünstige Gewohnheiten abzulegen und  sich hilfreiche Verhaltensweisen dauerhaft anzugewöhnen?

Heute möchte ich dir ein Model vorstellen, dass dir vielleicht genau dabei helfen kann:

 

Prozess der Veränderung

Prozess der VeränderungWie kommen wir zu Veränderung? Welche Schritte müssen wir dazu gehen? Ein natürlicher Prozess, der so in jedem Bereich das Lebens gleich ablaufen kann, ist die Abfolge von:

  1. verstehen
  2. akzeptieren
  3. verändern

Um etwas zu verändern, muss ich zunächst das Bedürfnis haben, es zu verändern. Ich muss durch Selbsterfahrung verstehen, was dahinter steht und manchmal auch wie es genau funktioniert.

Dann kann ich es im nächsten Schritt akzeptieren. Dadurch richte ich meinen Fokus auf die positiven  Aspekte eines „Problems“. Solange ich versuche gegen etwas anzukämpfen, erzeuge ich Gegenwehr. Druck erzeugt Gegendruck. Immer, in der Physik wie in unserem Inneren.

Ein merkwürdiges Paradoxon: Wenn ich mich so akzeptiere wie ich bin, dann ändere ich mich
– Carl Rogers
 Wenn ich die positiven Aspekte erkannt habe, kann ich versuchen sie zu verstärken und damit die Aspekte, die ich nicht optimal empfinde, nachhaltig verändern.

 

Ein konkretes Beispiel für so eine Veränderung: Sport treiben

Hast du dir auch schon mal vorgenommen, mehr Sport zu treiben? Vielleicht ein paar Kilo abzunehmen oder einfach etwas für deine Gesundheit zu tun? Zum Beispiel wieder öfter mit Pfeil und Bogen zu schiessen?

Am Anfang bist du voll motiviert, stehst jeden Abend auf dem Platz. In der nächsten Woche hättest du es genau so gemacht, nur am Freitag Abend war diese Party, zu der du ja gehen musstest. In der Woche drauf kam noch eine Dienstreise dazu. Und in der vierten Woche hast du schon wieder vergessen, dass du eigentlich wieder öfter trainieren wolltest. Das Leben hat dich eingeholt.

Wie kannst du jetzt den Veränderungsprozess nutzen, denn ich weiter oben beschrieben habe?

Zunächst geht es darum zu verstehen, warum du die wieder öfter trainieren möchtest. Was steht dahinter? Wenn du deine Motivation verstehst, fällt es dir auch leichter, dir S.M.A.R.Te Ziele zu setzen:

  1. Spezifisch: willst du abnehmen, oder Kraft aufbauen? Was genau willst du?
  2. Messbar: wie viele Kilos willst du genau abnehmen?
  3. Attraktiv: wie wirst du dich belohnen, wenn du es erreicht hast?
  4. Realistisch: ist das Ziel erreichbar aber herausfordernd? Das gibt die höchste Motivation.
  5. Terminiert: bis wann willst du dieses Ziel erreicht haben? „Schnellst möglich“ ist übrigens keine Zeitangabe.

Verstehen kann auch bedeuten, dass du dir klar machst, dass du vom Bogenschiessen alleine wahrscheinlich kaum abnehmen wirst. In dieser Phase gleichst du also gleichzeitig deine Motivation mit dem gewählten Werkzeug ab: eine Suppe mit Messer und Gabel zu essen ist nun mal schwieriger als mit einem Löffel.

Im nächsten Schritt geht es um das akzeptieren. Du könntest zum Beispiel akzeptieren, dass du nach der Arbeit einfach müde bist und keine Lust mehr auf Sport hast. Oder dass dir die Zeit mit deinem Partner wichtig ist und du davon nichts für den Sport opfern möchtest. Oder, oder, oder, was auch immer dich bisher davon abgehalten hat, dein Ziel umzusetzen. Höre ganz offen in dich hinein und akzeptiere was da kommt.

Denn dann kannst du im nächsten Schritt an eine echte Veränderung gehen. Aus dem Verstehen kennst du deine Motivation und deine Ziele. Du hast für dich überprüft, ob das gewählte Tool das geeignete ist um deine Ziele zu erreichen. Du hast akzeptiert, was dich bisher abgehalten hat und verstärkst es nun in Gedanken noch: du stellst dir in Gedanken zum Beispiel vor, jeden, wirklich jeden Abend auf der Couch zu liegen. Du machst Sport am Abend im Kopf zu einem „no-go“. Diese beiden Schritte heizen jetzt deine Kreativität an, eine Lösung zu finden um beides zusammen zu bringen.

Zum Beispiel könntest du auf die Idee kommen, ab sofort jeden Tag 1 Stunde früher aufzustehen und bei Sonnenaufgang ein paar Pfeile fliegen lassen. Was dir ansonsten undenkbar erscheinen würde, wird plötzlich zur Möglichkeit, weil du dir deine Ziele bewusst gemacht hast und du akzeptiert hast, dass es Abends für dich nicht funktioniert. Wenn du ein S.M.A.R.Tes Ziel gewählt hast, dann kannst du dir sogar sagen, dass du das nur so lange so machen wirst, bis das Ziel erreicht ist.

Der Kreislauf beginnt von vorne und das Training am frühen Morgen kann zur Gewohnheit werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass du deine Ziele erreichst, steigen enorm.

 

Fazit

Das war jetzt nur ein Beispiel um das Model zu verdeutlichen. Ich bin sicher, dir fallen noch viele andere Situationen ein, bei denen du versuchen könntest, diese Strategie für eine Veränderung anzuwenden.

Mir ist der Prozess bei mir selbst so richtig bewusst geworden, als ich über das Thema „Hochsensibiltät“ nachgedacht habe und warum es mich jahrelang nicht wirklich interessiert hat. Ich hatte zu der Zeit einfach nicht verstanden, was Hochsensibilität wirklich ist. Ich dachte einfach, ich bin halt irgenwie anders und müsste so damit leben.

Heute ist das Gegenteil der Fall und ich beschäftige mich sehr viel mit dem Thema. Ich lerne ständig neues darüber und habe akzeptiert, dass ich diese Veranlagung mit 20% aller Menschen in vielen Punkten teile. Dadurch fühle ich mich schon mal ein ganzes Stück „normaler„, Veränderung Nr. 1.

Ich entdecke so auch laufend neue Vorteile dieser Veranlagung für mein Leben und übe mich selbst darin, die Teile, die ich nicht so gut finde, zu akzeptieren. Dadurch ist eine weitere Veränderung in mir passiert: ich empfinde diese Veranlagung inzwischen als etwas überaus positives und dadurch fühle ich mich viel freier als früher. Eine sehr positive Veränderung für mich.

Wenn du aus dem Sturm heraus kommst, wirst du nicht der mehr der selbe Mensch sein, der hineingegangen ist. Das ist es, worum es bei dem Sturm geht.
– Haruki Murakami

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Ergänzung

Dieses Model ist eine Vereinfachung der Veränderungskurve, die die Psychaterin Elisabeth Kübler-Ross entwickelt hat. Ihr Ansatz aus der Trauerforschung, welche emotionalen Phasen wir bei Veränderungen durchlaufen, ist heute z.B. auch im change management weit verbreitet.

 

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