Wo darf man Bogenschießen und wo nicht

Wo darf man Bogenschiessen?

Diese Frage habe ich schon sehr oft gehört, wenn jemand mit dem Bogenschiessen begonnen hat.

Schließlich denken viele zunächst, der Bogen wäre eine Waffe. Ist er aber nicht, wie ich im Artikel zum Waffengesetz schon geschrieben habe.

Die Frage, wo man Bogenschiessen darf und wo nicht, betrifft verschiedene Gesetze. Diese möchte ich dir heute in dem zweiten Artikel aus der Reihe „Recht und Bogenschiessen“ vorstellen.

 

Pfeil und Bogen ist ein Spiel- und Sportgerät

Aus dem Artikel zum Waffenrecht wissen wir ja, dass der Bogen in Deutschland ein Spiel- und Sportgerät ist. Daraus ergibt sich implizit, wo man ihn nutzen darf.

Wo darfst du dein Fahrrad benutzen?

Wo darfst du deinen Tennisschläger benutzen?

Wo darfst du einen Fussball benutzen?

Genau, eigentlich überall. Es gibt keine allgemeine rechtliche Einschränkung für Spiel- und Sportgeräte auf bestimmte Plätze.

Aber natürlich ist das kein Freifahrtschein!

Grundsätzlich haftet der Bogenschütze nämlich für Schäden, die aus seinem handeln entstehen. Grundlage dazu ist §823 im bürgerlichen Gesetzbuch (BGB):

(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.

Genau deshalb sollte jeder Bogenschütze eine private Haftpflichtversicherung haben, die solche Schäden abdeckt.

Im Paragraphen 828 wird die Haftung für Minderjährige eingeschränkt:

(1) Wer nicht das siebente Lebensjahr vollendet hat, ist für einen Schaden, den er einem anderen zufügt, nicht verantwortlich.

Das ist einer der Gründe, warum in vielen Vereinen das Bogenschießen erst ab 8 Jahren erlaubt ist.

Normalerweise würden bei einem Schaden, den ein Kind mit Pfeil und Bogen verursacht, die Eltern zur Verantwortung gezogen. Sie haben die Aufsichtspflicht und wenn sie die einhalten, müssten sie einen Schaden abwenden können. Ist ein Kind aber im Verein geben die Eltern diese Aufsichtspflicht an die Trainer ab. Eine Vereinshaftpflicht deckt einen solchen Schaden dann unter Umständen nicht.

Daraus lässt sich ableiten: Bogenschießen unter 8 Jahren ausschließlich unter Aufsicht der Eltern, was natürlich nicht heißt, dass man ältere Kinder auch alleine mit Pfeil und Bogen losziehen lassen sollte!

So weit erschließt sich das meist auch mit dem gesunden Menschenverstand.

 

Bogenschiessen in Feld und Wald

bogenschiessen in wald und feldAuf Privatgelände darf man also immer Bogenschiessen, wenn der Eigentümer einverstanden ist und man niemanden gefährden kann.

Die Frage die häufiger gestellt wird, ist die Frage mit dem Bogenschiessen in Feld und Wald.

Im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist das in Kapitel 7 geregelt. In §59 heißt es dazu:

(1) Das Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung ist allen gestattet (allgemeiner Grundsatz).

(2) Das Betreten des Waldes richtet sich nach dem Bundeswaldgesetz und den Waldgesetzen der Länder sowie im Übrigen nach dem sonstigen Landesrecht.

Bogenschiessen als Sport dient der Erholung.

Was freie Landschaft ist, hat der Bushcrafter Kai Sackmann (die haben ähnliche Fragen wie Bogenschützen) auf seiner Seite sehr schön erklärt:

Als freie Landschaft bezeichnet man übrigens Waldflächen, unbewaldete Flächen, Wege und Gewässer. Wege dürfen dabei jedoch nicht zum öffentlichen Straßenverkehr gehören. Und auch Privateigentum, wie Gebäude, Hofflächen oder Gärten sind natürlich ausgenommen. Genauso wie Anbauflächen und Parkanlagen. Ganz allgemein kann man sagen, als freie Landschaft bezeichnen wir sämtliche Flächen ausserhalb besiedelter Bereiche, wenn es sich dabei um ungenutzte Grundflächen handelt!

Der zweite Absatz im §59 bezieht sich auf den Wald als besondere Fläche. Im Bundeswaldgesetz (BWaldG) auf das verwiesen wird, ist in Abschnitt II, §14 geregelt:

(1) Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung ist gestattet. Das Radfahren, das Fahren mit Krankenfahrstühlen und das Reiten im Walde ist nur auf Straßen und Wegen gestattet. Die Benutzung geschieht auf eigene Gefahr. Dies gilt insbesondere für waldtypische Gefahren.

(2) Die Länder regeln die Einzelheiten. Sie können das Betreten des Waldes aus wichtigem Grund, insbesondere des Forstschutzes, der Wald- oder Wildbewirtschaftung, zum Schutz der Waldbesucher oder zur Vermeidung erheblicher Schäden oder zur Wahrung anderer schutzwürdiger Interessen des Waldbesitzers, einschränken und andere Benutzungsarten ganz oder teilweise dem Betreten gleichstellen.

Ganz klar geht aus dieser Regelung hervor, dass die Betretung auf eigene Gefahr geschieht. Der Eigentümer kann nicht für Schäden, zum Beispiel durch Glatteis, herabfallende Äste oder sonstige Gefahren in der freien Natur haftbar gemacht werden.

Aus Satz 2 ergibt sich, dass das BNatschG ein Rahmengesetz ist, dass die einzelnen Bundesländer anpassen können. In den meisten Bundesländern sind die Regelungen weitgehend übernommen worden, doch im Zweifelsfall musst du die für dein Bundesland geltende Regelung recherchieren.

In Bayern geht das Recht auf Erholung in der Natur sogar noch weiter, da die bayerische Verfassung in Art. 141 Abs. 3 jedermann das Recht auf Naturgenuss und auf Erholung in der freien Natur gibt und an Staat und Gemeinden den Auftrag richtet, Erholungseinrichtungen zu schaffen:

(3) Der Genuß der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere das Betreten von Wald und Bergweide, das Befahren der Gewässer und die Aneignung wildwachsender Waldfrüchte in ortsüblichem Umfang ist jedermann gestattet. Dabei ist jedermann verpflichtet, mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen. Staat und Gemeinde sind berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen sowie Wanderwege und Erholungsparks anzulegen.

Aus diesem Artikel ergibt sich, dass man einen Wald nicht mit dem Ziel einzäunen darf, Besucher fernzuhalten, da er ja der Allgemeinheit zugänglich sein muss.

Das gilt sowohl für Privatwald als auch Staats- und Körperschaftswald.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass man den Wald grundsätzlich mit Pfeil und Bogen betreten darf, ohne vorher die Zustimmung des Eigentümer einholen zu müssen (schadet aber sicher nicht!).

Aus dem Betretungsrecht lässt sich aber kein Recht ableiten, irgend etwas zu beschädigen. Passiert das doch, zum Beispiel weil eine Pfeilspitze in einem Baum stecken bleibt und damit der Baum im Sägewerk unter Umständen aussortiert wird – ein erheblicher wirtschaftlicher Verlust -, dann geht das weit über das Betretungsrecht hinaus.

Wenn man also im Wald mit Pfeil und Bogen schießen will, muss man sicher stellen, nichts zu beschädigen. Hier sei nochmal der pflegliche Umgang mit der Natur aus der bayerischen Verfassung erwähnt.

 

Jagd und Bogensport

naturschutz und bogenschiessenWenn uns jetzt der Jäger oder Förster begegnet, kommt ein weiteres Gesetz ins Spiel, nämlich das Bundesjagdgesetz (BJagG). Hier heisst es in §19a:

Verboten ist, Wild, insbesondere soweit es in seinem Bestand gefährdet oder bedroht ist, unbefugt an seinen Zuflucht-, Nist-, Brut- oder Wohnstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören. Die Länder können für bestimmtes Wild Ausnahmen zulassen.

Der Wald ist die Wohnstätte für unser Wild. Es ist also zum Beispiel verboten, einem Reh nachzulaufen oder in ein Unterholz zu gehen um zu schauen, ob es da Rehe gibt.

Auch das Jagdgesetz ist wieder ein Rahmengesetz. Im bayerischen Jagdgesetz als Landesgesetz steht in Artikel 42 auch:

(1) Die zur Ausübung des Jagdschutzes berechtigten Personen sind befugt,
1. Personen, die in einem Jagdrevier unberechtigt jagen oder eine sonstige Zuwiderhandlung gegen jagdrechtliche Vorschriften begehen oder außerhalb der zum allgemeinen Gebrauch bestimmten Wege ohne Berechtigung hierzu zur Jagd ausgerüstet angetroffen werden, zur Feststellung ihrer Personalien anzuhalten und ihnen gefangenes oder erlegtes Wild, Waffen, Jagd- und Fanggeräte, Hunde und Frettchen sowie Beizvögel abzunehmen,

Wer also mit einer Jagdspitze im Wald mit Pfeil und Bogen angetroffen wird, muss damit rechnen, dass der Jäger ihm die Ausrüstung abnehmen kann und ihn anhalten darf, um die Personalien festzustellen. Er hat in dem Moment die gleichen Rechte, wie die Polizei! 

Käme es wirklich zu so einem Fall, kann man auch mit einer Anzeige wegen des Verdachts auf Wilderei rechnen, die mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro geahndet wird.

Natürlich können Jäger sehr wahrscheinlich unterscheiden, ob ein Bogen zu Jagd gedacht ist oder nicht, aber schon bei den so genannten Judo-Spitzen ist es nicht mehr ganz so leicht.

Diese werden bei uns hauptsächlich für das stump shooting verwendet, haben ihren Ursprung aber als Jagdspitzen für kleine Wildtiere wie Hase, Marder, usw.

 

Roving oder stump shooting

roving und stump shootingBeim stump shooting schiesst man mit Pfeil und Bogen auf Baumstümpfe und andere tote Gegenstände. Beim roving verwendet man ein tragbares Ziel wie in dem Bild oben.

Von jedem Ziel aus sucht man sich ein neues und hat so ständig wechselnde Entfernungen und Situationen.

Diese Trainingsmethode kommt aus den USA. Dort hat man aber zwei wesentliche Unterschiede zu hier:

  1. die Wälder dort haben ganz andere Dimensionen und die geringe Besiedelungsdichte in den ländlichen Gebieten senkt das Risiko, dass jemand verletzt werden könnte, erheblich.
    Wir haben hier in Deutschland auf kleinstem Raum Schwammerlsucher, Bushcrafter, Mountainbiker, Walker, Reiter, … und als Schütze die Verantwortung, niemanden zu gefährden.
  2. ein anderes Jagd- und Naturschutzrecht. Kannst du auf 35m Entfernung wirklich sicher stellen, dass dein Pfeil nicht aus versehen einen Feuersalamander unter einem Blatt trifft? Dieser ist bei uns zum Beispiel nach dem Bundesartenschutzgesetz geschützt.

Auch wenn diese sehr ursprüngliche Art des Bogenschiessens ein tolles Naturerlebnis bietet, sollte man bei uns in öffentlichen Wäldern besser darauf verzichten.

 

Bogenparcours

bogenparcoursÖffentliche Parcours sind ein relativ sicherer Ort zum Bogenschiessen.

Hier kann man davon ausgehen, dass sich jemand Gedanken um die Sicherheit bei der Wegführung gemacht, die Eigentumsverhältnisse geklärt und mit dem Jagdpächter gesprochen hat. Vielleicht sogar weitere Stellen wie Gemeinde, Bauamt, Ordnungsamt, Naturschutzbehörde usw. mit einbezogen wurden.

Allerdings ist so ein Parcours eine rechtliche Grauzone. Als Wald darf er nicht für die Allgemeinheit gesperrt werden und bei kommerziellen Parcours übernimmt der Betreiber die Haftung für die waldtypischen Gefahren.

Aber auch hier liegt die Verantwortung für jeden Pfeil zunächst beim Bogenschützen. Ein Parcoursbetreiber haftet nur nachrangig wenn ihm Fahrlässigkeit vorgeworfen werden kann.

Kein Wunder also, dass die Dichte an Bogenparcours vergleichsweise gering ansteigt. Besonders im Vergleich zum Wachstum des Bogensport an sich.

Das erhebliche Risiko sind nur wenige bereit einzugehen und die Pflege ist ein erheblicher Aufwand. Geeignete Flächen, bei denen alle Beteiligten einverstanden sind, sind nur sehr schwer zu finden.

 

Fazit

Du darfst an vielen Orten Pfeil und Bogen benutzen. Du musst aber sicher stellen können, nichts und niemanden zu gefährden. Das schränkt die sinnvoll zu nutzenden Orte stark ein. Ein Privatgrundstücke, dass du dafür absperren kannst, ist oftmals die sicherste Variante. Steht dir kein eigenes Grundstück zur Verfügung, musst du mindestens den Eigentümer um Erlaubnis fragen. Auch in der freien Landschaft ist das eine gute Idee und verbessert die öffentliche Wahrnehmung von Bogenschützen.

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Disclaimer

Dieser Artikel ist sorgfältig recherchiert und nach bestem Wissen formuliert. Aber natürlich stellt er keinerlei Rechtsberatung dar! Wenn du konkrete Fragen zu den rechtlichen Grundlagen beim Bogenschiessen hast, wende dich im Zweifelsfall an einen Anwalt.

 

Weiterführende Links

 

6 Gedanken zu „Wo darf man Bogenschießen und wo nicht

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